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ETF-INVESTMENT

Winners & Losers 2020

2020 war definitiv für uns alle in Bezug auf nahezu sämtliche Lebensbereiche ein einschneidendes Jahr. So waren auch Anlageklassen jeder Art dieses Jahr von diesen besonderen Umständen betroffen und teilten die Wirtschaftswelt in eindeutige Gewinner und Verlierer.

Nachdem die ersten Monate des Jahres an den Finanzmärkten noch vielversprechend aussahen und zum Teil gar neue Allzeithochs erreicht wurden, folgte eine der größten globalen Finanz- und Wirtschaftskrisen der Geschichte. Die gesamte Weltwirtschaft wurde im Zuge der Corona-Pandemie zum Stillstand gebracht, was zu einer Panik an den Finanzmärkten führte und die Schwachstellen der Globalisierung offenbarte. Außerdem sollte in diesem Jahr eine Vielzahl an spannenden IPOs erfolgen. Der Großteil musste allerdings entweder verschoben oder abgesagt werden, sodass nur etwa 20% der geplanten IPOs stattfinden konnten und 2020 eines der schlechtesten Jahre bezüglich vollzogener Börsengänge wird. Ein Ende der aktuellen Krise ist zwar nicht unmittelbar in Sicht, dennoch geben die positiven Nachrichten bezüglich eines Impfstoffes den Anlegern Hoffnung und beflügelten die Kurse speziell in den letzten Monaten des Jahres.

Es gab jedoch 2020 nicht nur Verlierer, sondern einzelne Branchen konnten auch deutlich zulegen. Das Jahr unterteilt die Wirtschaftswelt deutlich in Gewinner und Verlierer, wodurch Themeninvestments dieses Jahr sehr beliebt bei den Anlegern waren und große Potenziale zeigten. Welche Sektoren die großen Winner und Loser 2020 waren, erfährst Du hier.        

Winner:

1. Technologie

Was haben Microsoft, Amazon, Nvidia, Hello Fresh, Activision Blizzard, Zoom, Netflix und Delivery Hero gemeinsam? Richtig, alle haben mindestens einen Vokal im Namen. Aber nicht nur das! Alle genannten Unternehmen profitieren enorm von der zunehmenden Verbreitung von Home-Office und der generellen “Stay-at-home” Maßnahmen dieses Jahr. Die Unternehmen aus dem Technologie-Sektor sind definitiv die großen Gewinner dieses Jahres. Microsoft, Zoom, Slack und auch viele Cloud-Computing Anbieter konnten stark davon profitieren, dass immer mehr Unternehmen ihren Mitarbeitern das Arbeiten von Zuhause ermöglicht haben und vor allem die Kommunikation stärker digitalisiert haben. Außerdem prägten sich übrigens unsere Quote of the year: “You´re on mute”.

Durch die stark eingeschränkten Möglichkeiten der Freizeitgestaltung erlebte neben Netflix auch die Gaming-Branche einen wahren Boom dieses Jahr. Vor allem Nvidia als einer der größten Entwickler von Grafikprozessoren und Chipsätzen zeigte eine außerordentliche Kursentwicklung dieses Jahr und erreichte mehr als eine Verdopplung des Aktienkurses.

Nvidia


Ebenso eine Verdopplung ihrer Kurswerte erreichten die Lieferdienste Hello Fresh und Delivery Hero. Nahrungsmittel und auch viele sonstige Artikel wurden dieses Jahr so stark online nachgefragt wie noch nie zuvor. Der gesamte Online-Handel nahm um ein vielfaches zu, wodurch vor allem Amazon weiter stark wachsen konnte und ihre Marktmacht weiter zunahm. Von der Zunahme des Online-Handels und der gesamten zunehmenden Umstellung auf mobile Zahlungen konnte auch PayPal seinen Nutzen ziehen und den Kurs von unter 100 € pro Aktie auf rund 180 € zum Ende des Jahres steigern. Unsere Analysten rechnen damit, dass sich der Trend weiter fortsetzen wird und raten mit überwältigender Mehrheit zum Kauf des Wertpapiers.


Paypal


Den gesamten Aufschwung der Tech-Unternehmen bildet vor allem der Nasdaq ab. Wie kaum ein anderer Index erholte sich der Nasdaq von einem vorübergehenden Einbruch im März und bewegt sich nun in der Nähe des Rekordhochs.          

iShares NASDAQ-100 ETF (DE)


2. Gesundheits- und Pharmaindustrie

Wir alle hoffen auf ein baldiges Ende der Ausbreitung des Corona-Virus. Dabei waren dieses Jahr alle Augen auf BioNtech, Pfizer & Co. gerichtet, in der Hoffnung auf einen baldigen Impfstoff. Über die letzten zwei Jahrzehnte konnte die Pharmabranche ihren Umsatz weltweit bereits enorm steigern. Dies liegt vor allem an den vielen neuen Errungenschaften in der Biotechnologie durch das wachsende Verständnis bezüglich verschiedener Krankheiten und Anwendungen in der Genomforschung. Oftmals werden Unternehmen aus der Pharmabranche als Stabilitätsfaktor in das Depot integriert, da auch in konjunkturschwachen Zeiten die Nachfrage als gesichert gilt und die Kosten meist von Versicherungen übernommen werden. Ein näheren Einblick in die aktuellen Entwicklungen in der Pharmaindustrie könnt ihr übrigens hier in einem anderen Blogartikel nachlesen.

3. Versorgungsunternehmen

Auch die Versorgungsunternehmen konnten dieses Jahr von der “Stay-at-home”-Politik profitieren. Früher galten die Versorger noch als krisensichere Anlage mit eher wenig Schwankungen und moderaten, sicheren Gewinnen. Durch die vor einigen Jahren eingeleitete Energiewende und dem damit verbundenen Ausstieg aus der Atomkraft wurden zunächst die europäischen Versorger-Aktien stark geschwächt. Die letzten Jahren haben die Unternehmen, die erfolgreich ihre Geschäftsaktivitäten angepasst haben und ihren Anteil erneuerbarer Energien erhöht haben, jedoch wieder eine positive Entwicklung genommen und haben eine Euphorie bei den Anlegern ausgelöst. Viele Investoren wittern ihre Chancen bezüglich nachhaltiger Energie. Erfolgreich haben dies beispielsweise der italienische Energiekonzern Enel oder der deutsche Energieversorger RWE umgesetzt, die beeindruckende Renditen zeigten 2020. ETF-Anleger konnten mit dem iShares Global Clean Energy erfreuliche Renditen erzielen mit nahezu einer Verdopplung des Kurses. Der Fokus auf eine emissionsarme Politik wird sicherlich auch nach der Covid-19-Krise fortgeführt, sodass entsprechende ETFs weiterhin als vielversprechend gelten.

iShares Global Clean Energy ETF (Dist)


4. Gold

Nicht nur die Aktienmärkten steuern dem Ende eines turbulenten Jahres zu, auch die Rohstoffpreise waren von der diesjährigen Krise stark betroffen. In Zeiten konjunkturell schwachen Zeiten gilt Gold bekanntlich stets als klassischer sicherer Hafen. Entsprechend ist der Goldpreis im Zuge der Covid-19-Krise von unter 1.500 Dollar auf über 2.000 Dollar pro Feinunze gestiegen und war somit fast um 40% im Aufwärtsgang. Gegen Ende des Jahres ist der Kurs wieder im Rückgang, was in der Hoffnung auf einen Impfstoff und dem damit verbundenen möglichen Ende der Corona-Krise begründet ist.    

5. Kryptowährungen

Kryptowährungen sind ja bereits seit mehreren Jahren auf dem Vormarsch. Dieses Jahr gab die Unsicherheiten auf den Märkten Bitcoin & Co. zusätzlichen Rückenwind, sodass Anfang Dezember sogar ein neues Rekordhoch aufgestellt wurde. Es zeigte sich außerdem, dass die Digitalwährungen nicht nur von den Auswirkungen des Virus profitieren konnten, sondern auch zunehmend institutionelle Anleger ihre Chancen wittern und in den Sektor investieren. Gewinne in großem Stil brach aber nicht nur Bitcoin, sondern auch die “kleine Schwester” Ethereum konnte ihren Kurs um über 300% im Laufe des Jahres steigern.

Losers:

1. Luftfahrt- und Tourismus

Das Jahr 2020 hat offensichtlich aber neben den großen Gewinnern auch deutliche Verlierer hervorgebracht. Eindeutig dort eingeordnet wird die Luftfahrt- und Tourismusbranche. Durch die weltweiten Reisebeschränkungen blieb eine Vielzahl an Flugzeugen am Boden. Im Sommer kam zunächst wieder Hoffnung auf, dass vermehrt Reisen wieder ermöglicht werden. Der Hoffnungsschimmer verflog jedoch schnell wieder und der Aufwärtstrend verging. Lufthansa, die vorher beeindruckende Gewinne erzielen konnten und als sichere Bank in vielen Depots einen Platz hatte, wird das Jahr mit einem ernüchternden Kursrückgang von etwa 40% beenden. Auch für die Zukunft ist es fraglich, wie sich die entsprechenden Papiere entwickeln. Die Reisewarnungen bestehen weiterhin und Dienstreisen könnten langfristig deutlich abnehmen. Doch nicht nur die Fluggesellschaften leiden unter den Umständen, auch Reiseveranstalter wie die TUI stehen vor riesigen Herausforderungen. Sämtliche Unternehmen der Branche, darunter auch die Hotelketten, kämpfen zur Zeit damit, ihre Kosten zu drücken und so ihre Unternehmen zu retten. Entscheidend werden für diese Unternehmen zukünftig sein, wie sich das Infektionsgeschehen weiterentwickelt und wann es zu einem massenhaften Einsatz eines Impfstoffes kommen kann. Erst dann wird sich zeigen, ob die transatlantischen Reisen wieder das Pre-Corona Niveau erreichen können und die Dienstreisen wieder aufgenommen werden. Die Performance diesen Jahres des größten europäischen Tourismus-ETFs wird hier im folgenden dargestellt. Dabei ist allerdings zu beachten, dass es keinen ETF auf dem Markt gibt, der ausschließlich Unternehmen aus der Reisebranche beinhaltet. Der ausgewählte ETF bildet zwar auch Airlines, wie Ryanair und Lufthansa ab, größte Position ist aber zur Zeit Flutter Entertainment, die im Glücksspiel tätig sind und die Performance des ETFs deutlich verbessert hat.  


iShares STOXX Europe 600 Travel & Leisure UCITS ETF

2. Automobilbranche

Etwa 2 Millionen Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt in Deutschland an der Autoindustrie. Nachdem viele der Hersteller schon vorher arg mit Problemen zu kämpfen hatten, hat sich die Situation dieses Jahr noch einmal dramatisch verschlechtert. Im ersten Halbjahr ging der Absatz in Europa um über 40% zurück. Seitdem haben sich die Umstände wieder etwas verbessert, dennoch werden in Deutschland in diesem Jahr wohl etwa ein Viertel weniger Fahrzeuge abgesetzt als noch 2019. Die Regierung hilft den Unternehmen mit voller Kraft und hat der schwächelnden Branche bereits Milliarden Gelder an Unterstützung zugesagt. Unter anderem wurde im Zuge dessen die Kaufprämie für Elektro- und Hybrid-Autos verdoppelt und ein zwei Milliarden Fonds für die Zuliefererbranche aufgelegt. Dabei verfolgt die Regierung gleichzeitig das Ziel, dass bis Ende 2022 an jeder vierten Tankstelle eine Ladesäule zur Verfügung steht. Vier weitere Jahre später sollen es gar drei Viertel sein. Besonders ein Unternehmen sticht jedoch in der schwächelnden Branche deutlich heraus: Tesla. Das Unternehmen von Elon Musk performte so stark, dass Tesla in den wichtigen Index S&P 500 aufgenommen wird und ein neues Allzeithoch erreichte. Ähnlich stark zeigte sich der chinesische Elektroauto-Hersteller Nio. Die Potenziale in diesem Zweig sind demnach enorm. Wer sich auf diesem Gebiet jedoch letztlich durchsetzen wird, bleibt spannend und wird sich in den kommenden Jahren zeigen.        

3. Ölindustrie

Die Ölindustrie durchlebt möglicherweise das schlimmste Jahr, dass die Branche je erlebt hat. Die Ölnachfrage brach mit Beginn der Corona-Krise dramatisch ein, der Rohölpreis fiel massiv und das Überangebot an fossilen Rohstoffen war schon vorher problematisch. Dies führte zu einer wahren Pleitewelle bei Öl- und Gasunternehmen. Viele Investoren scheinen sich langfristig von der Ölindustrie zu verabschieden und wenden sich lieber den erneuerbaren Energien zu, von denen sie sich ein geringeres Risiko und langfristig höhere Risiken erhoffen. Da mehr als die Hälfte des weltweiten Ölbedarfs auf den Straßenverkehr zurückzuführen ist, stellt die Elektrifizierung der Mobilität eine existenzielle Bedrohung der Branche dar. Zudem setzt die Ausweitung des Home-Office den Öl-Unternehmen zu, da der Pendelverkehr im Zuge dessen abnimmt und die Ölnachfrage entsprechend auch.

Der strukturelle Druck auf die Ölindustrie wird unabhängig der Pandemie nicht abreißen, um die Ziele des Pariser Klimabkommens nicht weiter zu gefährden. Diese Ziele sind mit einer Unterstützung der Ölindustrie nicht zu vereinbaren, sondern erfordern den Ausbau erneuerbarer Energien und eine Reduzierung der fossilen Brennstoffe.    

4. Banken

Viele Banken waren schon vor der Pandemie durch strukturelle Schwächen und chronische Ineffezienz in einer schwierigen Lage. Da nun in naher Zukunft ein massenhafter Kreditausfall droht, kommen viele Banken in eine prekäre Situation, die wohl nicht alle überstehen werden. Es ist zwar noch völlig unklar, wie hoch und wann die Banken Schaden nehmen werden, klar ist nur, dass es passieren wird. Durch die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sind bislang noch keine Kreditausfälle in großem Stil zu beobachten. Diese Regelung endet allerdings zum 31. Dezember, wodurch Anfang 2021 eine Welle an Insolvenzanträgen auf die Banken zurollen könnte. Den Geldinstituten bleibt wohl nichts anderes übrig als mit einer strikten Kostenbremse zu reagieren. Die Deutsche Bank kündigte bereits an, eine Vielzahl an Stellen zu kürzen und jede fünfte Filiale zu schließen. Zukünftig könnte der Trend außerdem dahin gehen, mehr Tätigkeiten auszugliedern, die von mehreren Banken genutzt werden können. Zudem scheinen immer mehr Fusionen stattzufinden. Zuletzt haben sich in Spanien die Großbanken Bankia und Caixa zusammengetan und in Italien soll die UniCredit die Monte dei Paschi übernehmen.

5. Wirecard

Bei einer Liste der Verlierer des Jahres darf natürlich auch die Wirecard AG nicht fehlen. 2005 ging das Unternehmen für digitalen Zahlungsverkehr an die Börse. Die Aussichten waren vielversprechend, das Wachstum überragend und auch die deutsche Regierung freute sich über einen Hauch Silicon Valley im eigenen Land. 15 Jahre später folgt der harte Fall inklusive Insolvenzantrag. In einem riesigen Bilanzskandal fehlen 1,9 Milliarden Euro, die angeblich auf verschiedenen Treuhandkonten existiert haben sollen. Das Geld gab es wohl stets nur auf dem Papier, um Umsätze und Gewinne vorzutäuschen und an neue Kredite zu kommen. Seitdem befindet sich der ehemalige COO Jan Marsalek auf der Flucht, der weltweit zur Fahndung ausgeschrieben ist. Der ehemalige Vorstandschef Markus Braun befindet sich in Untersuchungshaft. Allerdings verweigert Braun seine Aussage zu nahezu allen entscheidenden Fragen. Dies erschwert die Arbeit des Untersuchungsauschusses, der seit Oktober an der Aufarbeitung des Skandals arbeitet.