Zurück
ETF-INVESTMENT

Was ist ein Hedgefonds?

Hedgefonds, viele haben diesen Begriff schon einmal gehört – spätestens jetzt im Kontext von GameStop und Co. – was sie aber wirklich sind, ist den meisten unklar. Häufig bestehen schwammige Vorstellungen davon, was ein Hedgefonds genau macht, aber dafür ist man sich umso sicherer, dass Hedgefonds böse, aggressiv und von Grund auf schlecht sind. So werden sie häufig auch abwertend als Heuschrecken bezeichnet. Sind Hedgefonds zurecht mit diesem überaus negativen Ruf behaftet? Wir klären all Deine Fragen zum Thema Hedgefonds in diesem Artikel.

Was sind Hedgefonds?

Hedgefonds sind Investmentfonds mit einigen Besonderheiten. Da sie aufgrund des häufig überaus hohen Mindestanlagevolumens von 500.000€ und höher lediglich einem klar abgegrenzten Kreis von Personen zugänglich sind und sie darüber hinaus nicht öffentlich an der Börse gehandelt werden, spricht man hier auch von einer alternativen Geldanlage.

Hedgefonds werden heute hauptsächlich zur Börsenspekulation genutzt. Es wird versucht mit sehr spekulativen und höchst risikoreichen Anlagestrategien einen möglichst hohen Gewinn zu erreichen. Das heißt bei Hedgefonds treffen das Ziel der höchstmöglichen Rendite sowie entsprechend hohes Risiko aufeinander. Hedgefonds „hedgen“ gezielt, das heißt, sie versuchen die besagte Risiken aktiv zu managen. Was sie ausmacht ist, dass sie frei entscheiden können, wie sie agieren, da sie nicht öffentlich zugänglich und kaum reguliert sind.

Was unterscheidet einen Hedgefonds von einem normalen Investmentfonds?

Hedgefonds und Investmentfonds unterscheiden sich in vielen Punkten. Der wohl wichtigste Punkt liegt in der Regulierung, so verfügen Hedgefonds-Manager frei über Strategie, Risiko und Wahl der Produkte. Während Hedgefonds lediglich bedingt reguliert sind, befinden sich herkömmliche Investmentfonds in einem klar festgelegten Regulierungs-Konstrukt. Dies bedeutet im Grunde genommen, dass nur wenige Regeln seitens der Finanzaufseher (wie bspw. der BaFin) für Hedgefonds bestehen beziehungsweise befolgt werden müssen. Eine dieser Regeln findet sich zum Beispiel im Verbot von Insiderhandel, dieses müssen auch Hedgefonds befolgen. Mehrere Beispiele besonders aus dem US-amerikanischen Raum lassen aber vermuten, dass nicht jeder sich an besagte Regel hält.

Ein weiterer wesentlicher Unterschied liegt in dem Einsatz von Derivaten. Während dieser im Bezug auf Investmentfonds vollständig verboten ist, so ist er der Einsatz bei Hedgefonds uneingeschränkt erlaubt.

Darüber hinaus unterscheiden sich die beiden Anlagemöglichkeiten auch im Hinblick auf Leerkäufe. Bei Investmentfonds sind lediglich Käufe möglich, bei Hedgefonds sind auch Leerkäufe eine Option. Was aber ist ein Leerkauf überhaupt?

Leerkäufe oder auch Short-Selling genannt, bedeutet, dass der Hedgefonds Vermögenswerte, wie beispielsweise GameStop-Aktien verkauft, ohne sie zu diesem Zeitpunkt tatsächlich zu besitzen. Dabei wird darauf gesetzt, dass in diesem Fall die Aktie an Wert verlieren wird, sodass der Hedgefonds den Verkauf gewinnbringend abschließen kann. Im Fall von GameStop war genau das Gegenteil der Fall. Wenn Du mehr über die Thematik lesen möchtest, findest Du hier einen Artikel mit allem was Du wissen musst.

Hedgefonds und herkömmliche Investmentfonds unterscheiden sich außerdem im Hinblick auf die Liquidierbarkeit des angelegten Geldes. Hat man sein Vermögen in Hedgefonds investiert, so ist dies in der Regel lediglich zu fest vorgegebenen Zeiten und meist erst nach einigen Jahren liquidierbar, während es bei normalen Investmentfonds theoretisch zu jedem Zeitpunkt möglich ist. Dies liegt daran, dass Anteile von Hedgefonds nicht an der Börse gehandelt werden und es sich um geschlossene Fonds handelt, das heißt das angelegte Geld ist zwangsläufig für mehrere Jahre gebunden.

Wer investiert in Hedgefonds?

Da nicht nur ein hohes Mindestanlagevolumen gefordert ist (in den USA liegt dies bei manchen Hedgefonds sogar bei stolzen eine Millionen USD), sondern teilweise sogar Einkommensnachweise über festgelegte Beträge erbracht werden müssen, sprechen wir hier, wenn es um Privatanleger geht, von sehr vermögenden Personen. Es muss schließlich auch bedacht werden, dass Investitionen in Hedgefonds mit enormen Risiken zusammenhängen, ein Totalverlust ist nicht ausgeschlossen.

Neben diesen Privatpersonen, gehören aber vor allem institutionelle Investoren, wie beispielsweise Stiftungen, Lebensversicherungen und Pensionsfonds, zu den Anlegern.

In Deutschland ist der Handel über Hedgefonds erst seit 2004 möglich, und dies zum Anlegerschutz auch lediglich eingeschränkt. Hedgefonds gehören in Deutschland der Kategorie „Sondervermögen mit zusätzlichen Risiken“ an. Wer in Hedgefonds investieren möchte, kann Anteile an Dach-Hedgefonds erwerben. Diese beinhalten unterschiedliche Hedgefonds, sodass das Risiko durch Diversifikation gewissermaßen reduziert wird. Diese Dachfonds sind allerdings mit erhöhten Kosten verbunden.

Welche Anlagestrategien verfolgen Hedgefonds?

Die Anlagestrategien von Hedgefonds in aller Kürze aufzuzählen gestaltet sich als recht schwierig, da es Unmengen verschiedenster Ansätze gibt. Einzelne Hedgefonds-Manager verfolgen die Strategie der Analyse von volkswirtschaftlichen Trends, wie beispielsweise der bekannte Investor Simon James.

Andere wiederum nutzen die sehr beliebte Strategie des „Long Short Equity“, wobei die Hedgefonds versuchen sich unabhängiger von den Entwicklungen am Kapitalmarkt zu machen, indem sie zeitgleich sowohl auf fallende als auch steigende Kurse setzen. Die Trendfolgestrategie, Arbitrage Geschäfte oder auch eine Event-Driven Strategie gehören ebenfalls zu den populären Ansätzen.

Bei der Event-Driven-Strategie werden Ereignisse wie zum Beispiel mögliche Fusionen oder „Turnarounds“ in die Portfolio-Planung einbezogen. Übersetzt bedeutet der Begriff so viel wie Wendungen oder Umschwünge. In diesem Fall wird in ein Unternehmen investiert, welches durch eine schlechte Performance gekennzeichnet ist oder ein solches, welches in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Oft gehen diese beiden Merkmale Hand in Hand, da das finanzielle Wohlergehen als Indikator für die Gesamtperformance des Unternehmens betrachtet werden kann.  Hedgefonds spekulieren auf eine Wendung hinsichtlich des Umsatzes, beziehungsweise sie profitieren dann von den folglich steigenden Kursen. Genauso kann der Hedgefonds aber auch auf eine gegenteilige Entwicklung setzen, nämlich den Konkurs der entsprechenden Firma.

Der Vielseitigkeit der Strategien von Hedgefonds-Managern sind allerdings keine Grenzen gesetzt.

Hedgefonds & Start-Ups

Während es früher häufig der Fall war, dass Hedgefonds ins Start-Ups investiert haben, so übernehmen heute Venture Capital Fonds die Führung. Allerdings haben einige Hedgefonds begonnen, Programme zu entwickeln und zu starten, die sich auf die Aufnahme und Unterstützung von Startups konzentrieren. So beteiligte sich im vergangenen Jahr beispielsweise der New Yorker Hedgefonds Coatue mit 27,6 Millionen Euro am Berliner Start-Up Choco und mit knapp 40 Millionen Euro an Gorillas.

Die Intention dahinter ist massive Gewinne aus diesen Investitionen zu generieren. Angetrieben durch die wachsende Anzahl von Einhörnern und dem Erreichen von Allzeithochs von IPOs werden Hedgefonds immer wieder vom Private-Equity-Sektor angezogen. Es gilt auch zukünftig gespannt zu bleiben, wie sich die Beziehung zwischen Hedgefonds und Start-Ups entwickeln wird.

Wie viel verdient so ein Hedgefonds-Manager?

In der Regel basieren die Gehälter von Hedgefonds-Managern auf ihrer Performance beziehungsweise der des Hedgefonds, das heißt DAS typische Gehalt gibt es nicht. Dennoch gehören Hedgefonds-Manager zu den bestbezahltesten Berufen überhaupt, was immer wieder Diskussionen auslöst.

So sind beispielsweise nach einigen Jahren an der Wall Street bereits Gehälter von rund 300.000 USD drin. Zu den bestverdienenden Hedgefonds-Managern gehören bekannte Investoren wie James Simons von Renaissance Technologies, Ray Dalio von Bridgewater Associates und Michael Platt von Bluecrest Capital. In guten Jahren und bei Glanzleistung streichen sie teils stolze Gehälter von über 1,5 Milliarden USD ein. Das ist aber natürlich nicht das typische Gehalt von Hedgefonds-Managern. Und wie wird man überhaupt Hedgefonds-Manager? Meist gehen dieser prestigeträchtigen Karriere einige Jahre im Investmentbanking voraus, ein Direkteinstieg ist kaum möglich.

Fazit: Verdienen Hedgefonds ihr negatives Image?

Den typischen Hedgefonds gibt es nicht. So kann sich lässt sich sicher für eine Teilmenge der existierenden Hedgefonds das Vorurteil der bösen und aggressiven Hedgefonds-Manager zweifellos übertragen, aber sicherlich nicht für jeden. Ein Investment in Hedgefonds ist mit besonderen Risiken verbunden, das steht außer Frage, aber das ist ja auch kein Geheimnis. Ob Hedgefonds ein Fluch oder ein Segen sind gilt definitiv im Einzelfall zu bewerten.