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ETF-INVESTMENT

Was hat ein Aktiensplit mit einer Pizza zu tun? - Aktiensplit einfach erklärt!

Was ist ein Aktiensplit?

Stellen wir uns vor eine Aktie wäre eine Pizza. Diese Pizza in Stücke geschnitten, derjenige der die Pizza gekauft hat behält trotzdem die ganze Pizza. Nun kann er aber einzelne Stücke verkaufen und nicht mehr nur die gesamte Pizza. Genau das passiert im Grunde genommen auch bei einem Aktiensplit: Eine Aktie wird durch eine bestimmte, durch das Unternehmen festgelegte Quote geteilt, beispielsweise 1:4. So bekommt jeder der vorher eine Aktie hatte jetzt einfach vier Aktien und der ursprüngliche Preis wird geviertelt. Es ändert sich also erstmal nicht viel, denn auch der Wert bleibt erst einmal derselbe. Sagen wir eine ganze Pizza kostet 8€, nach dem Split hätte man dann 4 Stücke für 2€. Eigentlich easy, oder?

Warum entscheidet sich denn ein Unternehmen einen Aktiensplit durchzuführen, wenn sich doch eigentlich nichts wirklich verändert?

Ein Aktiensplit wird vor allem dann durchgeführt, wenn die Aktien sehr populärer Unternehmen enorme Kurssteigerungen erfahren haben. Teilweise klettern die Preise für eine Aktie sogar in den vierstelligen Bereich. Die Folge so hoher Preise ist, dass es für Kleinanleger immer weniger attraktiv wird in dieses Unternehmen zu investieren, denn einen derart hohen Betrag auf eine Aktie (oder auf eine Pizza?) zu setzen ist ein risikoreiches Unterfangen. Die hohen Preise wirken optisch abschreckend. Um diese Investoren nicht auszugrenzen, kann nun ein Aktiensplit durchgeführt werden. Das hat den Vorteil, dass günstigere Aktien auch eine größere Zielgruppe versprechen, was wichtig ist damit die Transaktionen auch weiterhin reibungslos ablaufen können und es leichter ist mit den Aktien zu handeln.

Um das ganze anschaulicher zu machen, betrachten wir den vor kurzem durchgeführten Aktiensplit von Tesla. Im Sommer 2019 stand der Preis einer Tesla Aktie noch bei 200€ (was auch schon gar nicht so wenig ist) und erfuhr in den darauffolgenden Monaten einen erheblichen Kursanstieg, sodass eine Aktie von Tesla im Sommer 2020 schlappe 2300€ kostete. Tesla entschied sich im Zuge dessen zu einem Aktiensplit von einer Quote von 1:5, um auch zukünftig für Kleinanleger attraktiv zu bleiben.

Vielleicht fragst Du Dich jetzt, warum man den Aktiensplit nicht im Kursverlauf erkennt? Um keine Verwirrung bei den Anlegern auszulösen – der Kurs würde, wenn man den Split anzeigen würde, drastisch einbrechen – wird der Aktienkurs historisch angeglichen.

Ok, für die Kleinanleger ist alles super, auch für große Investoren bedeutet das erst einmal keinen Nachteil. Aber welchen konkreten Vorteil erfahren die Unternehmen, ihr Kapital wird dadurch ja nicht erhöht, richtig?

Im ersten Schritt ändert sich nichts für das Unternehmen. Für den Pizzabäcker ist es egal, ob er eine ganze Pizza für 8€ oder vier einzelne Stücke für 2€ verkauft. Da jetzt aber die günstigeren „Aktien-Stückchen“ verfügbar sind, erhöht sich die Attraktivität für Kleinanleger. Da sich der Preis einer Aktie nach Angebot und Nachfrage richtet und die Nachfrage bei gleichbleibenden Angebot gestiegen ist, könnte der Aktiensplit auch dazu führen, dass der Preis nach dem Split wieder steigt. Was nicht nur für die Aktionäre vorteilhaft ist, sondern natürlich auch für das Unternehmen selbst. Neben vielen Befürwortern gibt es auch einige Manager und Investoren, die Aktiensplits ablehnen. Warum ist das so? Das scheint doch eigentlich eine Win-Win-Situation zu sein oder nicht? Einige Investoren finden man sollte ausschließlich langfristig investieren (wie Warren Buffet beispielsweise) und ein solcher Aktiensplit gilt praktisch als Einladung für Anleger zu zocken. Auch vertreten viele Anleger die Meinung, die entsprechenden Aktien würden so letzten Endes nur noch weiter überbewertet werden, als sie es ohnehin schon sind.

Warren Buffet, der vor allem als Starinvestor den meisten bekannt ist, ist CEO der Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway. Das Unternehmen führt, unter anderem aufgrund der Abneigung ihres Geschäftsführers, keine Aktiensplits durch. So liegt eine Aktie (Berkshire Hathaway A Aktie) aktuell bei einem stolzen Preis von 274.000€, damit ist sie die teuerste Aktie der Welt. Dass kein Split durchgeführt wird, begründet Buffet damit, dass so die Aktionäre vor besagten „Zockern“ geschützt werden und es so nicht zu extremer Volatilität und Spekulationen kommt.


Ein weiteres Beispiel, für ein Unternehmen, dessen Aktien so teuer sind, dass sich Kleinanleger diese schlicht nicht leisten können, ist die Chocoladefabriken Lindt Sprüngli AG. Jeder kennt die beliebte Lindt-Schokolade, die in nahezu jedem Supermarkt relativ preiswert zu kaufen ist. Ganz so einfach wird ein Erwerb einer Aktie des Schokoladenherstellers aber nicht, denn eine Aktie beläuft sich aktuell auf einen Wert von 87.900€. Damit sind die Aktien von Lindt & Sprüngli zwar nicht die teuersten weltweit und liegen noch ein gutes Stück unter den Anteilen an Berkshire Hathaway, allerdings sind sie die teuersten an der Schweizer Börse. Ein wesentlicher Nachteil solch teurer Aktien ist, dass das Handeln mit ihnen enorm erschwert ist, sie verfügen über eine geringe Liquidität. Es dürfte schwierig sein eine oder gar mehrere dieser Aktien ohne weiteres zu veräußern, wenn kaum jemand sie sich leisten kann. Lindt argumentiert, dass derartig schwere Aktien zu dem gewünschten Klientel von Investoren führen. Dazu kommt, dass die Anzahl der Aktionäre auch sehr gering ist, und weniger Aktionäre stellen auch weniger unangenehme Fragen.

Sollte ich Aktien eines Unternehmens kaufen, das plant einen Aktiensplit durchzuführen?

Die Ankündigung eines Aktiensplits erregt im Normalfall auch die Aufmerksamkeit derjenigen, die vorher noch nicht darüber nachgedacht haben in das entsprechende Unternehmen zu investieren. Als Investor sollte man sein Geld in jedem Fall nicht nur aufgrund eines bevorstehenden Aktiensplits in diesen Aktien anlegen, sondern auch andere Entscheidungsgrundlagen nutzen. Keiner der Gründe für einen Aktiensplit ist auch gleichermaßen ein Kaufgrund für Anleger. Meist geschieht diese Maßnahme, da der Aktienkurs enorm angestiegen ist oder seit geraumer Zeit relativ konstant ist.