Zurück
ETF-INVESTMENT

Warren Buffett vs. Cathie Wood


Warren Buffett wurde mit seinen Investments zu einer lebenden Legende an der Börse und ist in den Kreis der weltweiten vermögendsten Menschen aufgestiegen. Cathie Wood ist mit ihren 65 Jahren zwar nicht gerade die junge Wilde an der Wall Street, gehört aber dennoch zur neuen Generation der Investoren und kann als weiblicher Gegenentwurf zu Buffett bezeichnet werden. Sie ist extrem bullish auf Technologiewerte und war so mit ihren ARK-Fonds sehr erfolgreich die letzten Jahre.

Ihre Fans behaupten, Buffett war der Investor des 20. Jahrhunderts und Wood ist die des 21. Jahrhunderts. Was steckt hinter den beiden so unterschiedlichen Anlegern? Entwickelt sich tatsächlich gerade die Wachablösung?

Warren Buffett ist durch seine erfolgreichen Investments über die letzten Jahrzehnte zu den vermögendsten Menschen der Welt aufgestiegen. Trotzdem lebt er weiter ein bescheidenes Leben. Er wohnt mit seinen 90 Jahren in einem bescheidenen Haus, welches er nach eigenen Aussagen in den 1950er Jahren für 31 500 Dollar kaufte und fährt einen alten Cadillac. Wegen seines bescheidenen Lebensstils und Aussagen wie dieser, dass er seiner Meinung nach zu wenig Steuern zahlen würde, ist er vor allem in den USA eine sehr beliebte Persönlichkeit.

Seit 1955 leitet Buffett die Holding Berkshire Hathaway. Zu Beginn war Berkshire im Versicherungsgeschäft aktiv und hat die Prämien der Versicherten genutzt, um in Wertpapieren zu investieren und aus den Gewinnen später die Ansprüche zu zahlen.  

Cathie Wood hingegen ist deutlich umstrittener. Sie ist überzeugte Katholikin und Trump Anhängerin. Letzteres allerdings angeblich nur, weil Donald Trump der bessere Präsident zur Förderung von Innovationen sei. Viele Anleger sind aber vermutlich auch einfach neidisch aufgrund ihrer starken Renditen die letzten Jahre und sind deshalb so kritisch ihr gegenüber. Seitdem Wood sich 2014 mit ihrem Ark Investment Management selbständig gemacht hat, konnte sie im Schnitt über 31% Rendite pro Jahr erzielen. 2020 wurde Cathie Wood von Bloomberg als beste Stock-Pickerin des Jahres ausgezeichnet.

Zum Ark-Portfolio gehören:

Das Aushängeschild ist der ARK Innovation ETF mit einem Fondsvolumen von über 15 Milliarden Euro.  

Die Ark Fonds sind weder aktive Fonds noch ETFs, sondern aktive ETFs. Es wird nicht wie bei einem ETF ein Index dargestellt, sondern versucht, eine bessere Rendite zu erzielen als eine selbstgewählte Benchmark. Bei den Ark ETFs ist dies der S&P 500. Für uns Anleger sind aktive ETFs deutlich kostengünstiger als aktive Fonds.

Leider sind die Ark ETFs noch nicht handelbar in Deutschland. Allerdings ist Cathie Wood sehr transparent mit ihren Investments und wir Anleger können uns ihren ETF quasi nachbauen.  

Wie unterscheiden sich ihre Strategien? Value 🤜👊🤛 Growth

Die Strategien von Warren Buffett und Cathie Wood könnten unterschiedlicher kaum sein.

Buffett verfolgt mit seiner Holding Berkshire Hathaway den Ansatz des Value-Investings. Er ist auf der Suche nach Unternehmen, die seiner Meinung nach derzeit unter ihrem wahren Wert gehandelt werden und konzentriert sich auf langfristige Ergebnisse. Er fokussiert sich auf Aktien, die solide und stetig steigen.

Außerdem gehört zu seinem Grundprinzip, dass er nur in Unternehmen investiert, bei denen er die Geschäftsaktivitäten absolut versteht.

Wood im Gegensatz fokussiert sich auf Growth-Aktien. Sie setzt also auf Unternehmen, deren Erträge stark steigen und bei denen weiteres Wachstum erwartet wird. Während Buffett die Fundamentaldaten der Unternehmen aufs genaueste studiert, interessiert sich Wood zunächst für den TAM, den total adressable market. Das bedeutet, dass sie den gesamten potenziellen Markt für das Produkt des Unternehmens ermittelt. Ist diese Kennziffer vielversprechend, investiert Wood.  

Non-Tech 🤜👊🤛 Tech-Bullish

Aus diesen Strategien entstehen absolut gegensätzliche Portfolios. Buffetts Zusammenstellung ist geprägt von verlässlichen old-school Unternehmen wie Coca-Cola, Bank of America und ExxonMobil. Technologieunternehmen hält er strikt aus seinen Anlagen raus, weil er sie einfach nicht verstehe - mit einer Ausnahme: Apple.

Cathie Wood ist sehr optimistisch in Bezug auf Tech-Werte. Bei allen großen Zukunftsthemen wie AI, Biotech und auch Krypto ist sie dabei. Da sich in vielen dieser Bereiche noch kein großer Marktführer entwickelt hat, sondern sich noch mehrere kleinere Wettbewerber um den Platz streiten, sind bei Investments von Wood oftmals direkt bedeutende Anteile der Unternehmen im Besitz der Ark-ETFs. Zu ihrem Portfolio zählen 29 Positionen, bei denen ihr mehr als 10% gehören. Sollte sie sich irgendwann von einer dieser Positionen verabschieden, bedeutet dies natürlich auch, dass der Firmenwert durchaus stark darunter leidet.  

Werfen wir einen Blick auf die größten Positionen von Berkshire Hathaway und Ark Innovation ETF, welches das Flaggschiff von Wood ist. Die Prozentzahlen beziehen sich auf den Anteil am Gesamtvolumen der Holding bzw. des ETFs:


Auffällig bei den größten Positionen der Berkshire Hathaway ist, dass trotz der vielen konservativen Aktien die größte Position mit Apple aus dem Technologiesektor kommt. Dass Buffett bei Apple eine Ausnahme macht hat vor allem diese drei Gründe:

  1. Ihn überzeugen die stetig steigenden Gewinne und die Wachstumsrate des Unternehmens.
  2. Buffett mag starke Marken mit großer Kundenloyalität, weshalb er unter anderem auch in Coca-Cola stark investiert ist.
  3. Buffett sieht Apple weniger als schwer zu verstehendes High-Tech-Unternehmen, sondern vielmehr als konsumorientierter Produkthersteller.

Blicken wir auf Woods Top-Positionen sehen wir natürlich ihre absolute Technologie Affinität. Alle ihre größten Holdings sind in Bereichen tätig, in denen sie hohes disruptives Potenzial sieht. Die ausgewählten Unternehmen sind alle noch in der Entwicklungsphase, könnten aber bald in den Massenmarkt eintreten. So zum Beispiel ihre stärkste Position Tesla bei der Wood noch an eine Verdoppelung des Kurses glaubt.

Von Wirecard war Wood lange Zeit überzeugt und hat sogar noch nachgekauft, als bereits erste negative Berichte von der Financial Times veröffentlicht wurden.    

Außerdem sind in den ARK-ETFs die USA extrem stark gewichtet. Etwa 80% fallen auf die Region! Asien macht etwa 15% aus und Europa nimmt nur einen kleinen Teil von unter 5% ein.  

+200% in 10 Jahren 🤜👊🤛 +150% in 1 Jahr

Stetige, jahrzehntelange Rendite vs kurzfristig starke Performance

Kaum ein anderer Investor hat seine Fähigkeiten über einen derart langen Zeitraum bewiesen wie Warren Buffett. Seine Holding Berkshire Hathaway steht für konstant Renditen über Jahrzehnte. Im letzten Jahr war er aber deutlich abgeschlagen, weil er eben nicht an der Rallye der Tech-Werte teilgenommen hat, sondern seinem Kurs treu geblieben ist.

Wood kann noch nicht auf eine derart starke Historie ihrer ARK-ETFs blicken, konnte aber 2020 eine unglaubliche Rendite von über 150% erzielen. Werfen wir einen Blick auf die Performance des Innovation ETFs seit Auflage:


Quelle: https://finance.yahoo.com/quote/ARKK/performance/

Mit der starken Performance 2020 hat sich auch das verwaltete Vermögen vervielfacht. Lag das Asset under Management aller ARK-ETFs Anfang des vergangenen Jahres noch bei 5 Milliarden, liegt es mittlerweile bei mehr als 50 Milliarden Dollar.

Fazit:

Value gegen Growth, traditionelle Aktien gegen Millennial-Stocks, langweilig gegen disruptiv, konservativ gegen innovativ… Die Vergleiche, die man aufführen kann sind endlos.

Was beide Investoren in jedem Fall gemeinsam haben mit ihren milliardenschweren Gesellschaften ist die enorme Macht. Investieren Buffett oder Wood in ein Unternehmen, halten sie oftmals direkt bedeutende Anteile. Außerdem orientieren sich viele Investoren an den Käufen und Verkäufen der beiden und eifern ihren Vorbildern nach.

Während Buffett über Jahrzehnte sein Können unter Beweis gestellt hat, muss Wood erst noch beweisen, dass sie kein “One-Year-Wonder” ist, sondern auch über einen langen Zeitraum Entwicklungen antizipieren kann.

Während Buffett einige Chancen durch seine Abneigung gegen Technologieunternehmen entgangen sind, macht sich Wood sehr abhängig von einzelnen Trends, die zwar in den letzten Monaten eine schöne Rendite beschert haben, auf der anderen Seite aber auch sehr riskant sind.