Zurück
ETF-INVESTMENT

SPAC - Believe the Hype?

Der neueste Hype an den Börsen dreht sich um diese vier Buchstaben: SPAC. Ausgelöst in den USA (wo sonst), erreicht der Trend jetzt auch Europa. Trotz der zunehmenden Beliebtheit herrscht oftmals Verwirrung was die Vor- und Nachteile der SPACs angeht. Neu ist das Konzept nicht, warum steht es also plötzlich im Rampenlicht? Höchste Zeit, einen genauen Blick auf das boomende Börsenvehikel zu werfen.

In den USA ist der Markt bereits riesig. Jeder, der etwas auf sich hält, ist gerade dabei seine eigene SPAC aufzubauen: von NBA Star Shaquille O´Neal bis Hedgefonds-Star William Ackman. Die Welle ins Laufen gebracht hat der Selfmade-Milliardär Richard Branson 2019 mit seinem Raumfahrtunternehmen Virgin Galactic.

Im vergangenen Jahr war der Boom dann ungehalten: Mit 247 SPAC-IPOs hat sich die Anzahl innerhalb eines Jahres mehr als verdreifacht mit dem Sechsfachen des Volumens.

2020 war ein starkes Jahr für klassische IPOs - und ein noch stärkeres für SPAC-IPOs:

Quelle: Dealogic, Goldman Sachs Global Investment Research

Dieses Jahr geht die steile Entwicklung weiter und ich könnte noch mehr Zahlen nennen, die den Hype aufzeigen.

Aber was ist eine SPAC überhaupt?


Die Abkürzung SPAC steht für Special Purpose Acquisition Company. Die Gesellschaft hat zunächst keinen Geschäftsbetrieb, sammelt aber dennoch über einen Börsengang Kapital ein. Ist das Unternehmen nun an der Börse gelistet, sucht die SPAC ein bestehendes Unternehmen, um mit diesem zu fusionieren.

Es geht also eine Mantelgesellschaft an die Börse, die dann seine leere Hülle füllt. Die SPAC hat 2 Jahre Zeit, um ein passendes Unternehmen, das noch nicht an der Börse ist, zu identifizieren und die Fusion abzuwickeln. Gelingt das nicht innerhalb dieser 24 Monate, wird das Geld zurückgezahlt.

Das Verfahren kann als “Reverse IPO”, also als “umgekehrter Börsengang”, verstanden werden: Während beim klassischen Börsengang ein bestehendes Unternehmen auf der Suche nach Geld ist, besitzt die SPAC bereits das nötige Geld, sucht aber noch das Unternehmen.    

Warum entscheiden sich Unternehmen für diesen Weg und gehen nicht eigenständig an die Börse?


Zum einen sparen sie Zeit und Kosten. Der gesamte Prozess eines Börsengangs zieht sich in der Regel über viele Monate, wenn nicht sogar Jahre, hinweg. Die regulatorischen Anforderungen und Offenlegungen sind extrem aufwendig und kostspielig. Bei dem IPO über eine SPAC gibt es zum einen weniger regulatorische Hürden, zum anderen kümmert sich das Management der SPAC um das Verfahren und das Unternehmen kann nach wenigen Monaten an der Börse gelistet werden. Da sich die beiden Parteien dabei auf eine Bewertung einigen, herrscht zudem Gewissheit über den Preis, den sie bekommen werden. Gerade bei stark volatilen Märkten ist es für die Unternehmen ein großer Vorteil, da sie nicht von der aktuellen Stimmung am Markt abhängig sind.    

In Frage kommt das Börsenvehikel vor allem für reife Start-ups, die auf der Suche nach neuem Kapital sind. Für sie hat es außerdem den Vorteil, dass sie sich nicht mehreren Geldgebern auseinandersetzen müssen, sondern nur mit den Managern der SPAC. Im Vergleich zu Private-Equity bringt es außerdem den Vorteil mit sich, dass die Gründer weniger Kontrolle abgeben, da sie in der Regel weiterhin einen wesentlichen Anteil am Unternehmen halten.

Welche Vorteile bieten SPACs den Anlegern?


Kleinanlegern bieten SPACs die Möglichkeit, in private Unternehmen zu investieren, die bislang nicht an der Börse waren. Zu Beginn können Anleger auf dem Manager der SPAC wetten, in der Hoffnung, dass ein passendes Unternehmen innerhalb der vorgeschriebenen 24 Monate gefunden wird. Ist das nicht der Fall, erleiden die Anleger keinen Totalverlust, sondern die SPAC wird liquidiert und das investierte Geld wird zurück gezahlt.

Risiken bietet eine Investition in SPACs aber ohnehin genug.


Den Aufstieg und vor allem den Fall eines solchen Unternehmens haben wir wohl alle letztes Jahr bei Nikola verfolgt. Bis März 2020 war die SPAC VertoIQ auf Suche nach einem vielversprechendem Start-up zur Übernahme und wurde schließlich in Nikola fündig. Mit großen Erwartungen und der Hoffnung beim Aufbau eines neuen Tesla dabei zu sein, stürzten sich die Anleger auf die Aktien. Der Kurs schoss innerhalb weniger Tage von 12 Dollar auf 80 Dollar in die Höhe und keiner wollte den Hype verpassen.

Schauen wir heute auf den Kurs, sehen wir, dass eine Aktie wieder nur noch bei knapp 16 Dollar gehandelt wird. Was ist also in der Zwischenzeit passiert?

Mit gefakten Berichten über Wasserstoff-Lkw-Fahrten und schlichtweg falschen Aussagen, wurde das Vertrauen der Anleger verspielt. Spätestens seitdem die Hindenburg Research einen umfassenden Bericht über den Betrug des Lkw-Startups veröffentlichte, sprangen die Anleger von Board. Trevor Milton, der Gründer von Nikola, ging in die Gegenattacke und beschuldigte wiederum Hindenburg Research der Marktmanipulation.

Die Unruhen und Anschuldigungen belasten das Unternehmen weiter schwer. Keiner weiß, ob das Vertrauen der Anleger jemals wieder zurückgewonnen werden kann oder ob, trotz des Enthusiasmus in dem Sektor, der Kurs weiter fällt. Die Marktkapitalisierung von 6,5 Milliarden Dollar ist auf jeden Fall immer noch sportlich bei kaum Umsätzen und einer Menge an offenen Fragen.  

Was zeigt also der Fall Nikola?


Für die Qualität der aufgekauften Unternehmen gibt es keine Garantien. Im Gegensatz zum klassischen IPO sind wesentlich weniger Pflichten bezüglich der Finanzen zu erbringen. Das bringt den erwähnten Vorteil, dass Unternehmen wesentlich schneller aufs Börsenparkett gebracht werden können. Allerdings kann es auch Unternehmen anlocken, die dringend Kapital benötigen und sich in einer schlechten, vielleicht sogar verzweifelten, wirtschaftlichen Situation befinden.

Wie sieht der deutsche Markt aus?


Im Februar ist erstmals seit über 10 Jahren eine SPAC in Deutschland gestartet. Der Tech-Investor Klaus Hommels hat bei Großinvestoren 275 Millionen Euro eingesammelt und ist vor einigen Wochen an die Frankfurter Börse gegangen.

Hommels ist einer der bekanntesten und erfolgreichsten Startup-Investoren Europas. In der Vergangenheit hat er bereits mehrmals ein gutes Händchen bewiesen und hat unter anderem frühzeitig in Spotify, Facebook und Revolut investiert. Mit dem Lakestar Spac I ist Hommels auf der Suche nach einem vielversprechendem Tech-Unternehmen in Europa.

Als Zielunternehmen könnte sich Hommels für ein Start-up entscheiden, welches bereits zum Portfolio des Venture-Capital-Fonds von Lakestar gehört. Dazu gehören zum Beispiel GetYourGuide, Public.com und Glovo. Es darf also spekuliert werden, welches Unternehmen letztendlich übernommen wird, sicher ist nur, dass es mit mindestens 750 Millionen Euro bewertet wird. Dank seiner langjährigen Erfahrung ist Hommels auf jeden Fall stark vernetzt und könnte dem europäischen Tech-Sektor einen Boost geben.

Gibt es einen Überfluss an SPACs?

Während wir in Europa weit weg sind von einem Überfluss an SPACs, sieht es in den USA ganz anders aus. In den letzten Monaten sind dort so viele neue SPACs an den Start gegangen, dass es möglicherweise mehr SPACs als Unternehmen gibt, die für den Erwerb geeignet sind. Zwar werden die eingenommenen Gelder nach zwei Jahren ohne Übernahmeziel zurückgezahlt, allerdings kann das den Manager dazu verführen, kurz vor Ablauf der Pflicht händeringend ein passendes Unternehmen zu identifizieren und extreme Kompromisse einzugehen.

Der aktuelle Hype der SPACs verdeutlicht vor allem die Jagd der Investoren zusätzliche Renditen zu finden, wo immer sie können. Dabei zögern sie nicht mehr Geld auch da zu investieren, wo sie es normalerweise nicht tun würden. Es ist ein Spiegelbild der überschüssigen Liquidität, die derzeit in den Märkten vorhanden ist und passt deshalb ins Bild der aktuellen Bedingungen.  

Für reife Start-ups können SPACs sicherlich eine valide Alternative zu Private-Equity und einem klassischen IPO darstellen. Anleger sollten aber definitiv bei den übernommenen Unternehmen immer genau hinschauen und sich bewusst sein, dass der Erfolg der SPAC vor allem mit der Kompetenz des Managements steht und fällt.