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ETF-INVESTMENT

Investieren in Cannabis - Der grüne Rausch

Sprechen wir über Gras, aber wir sind ein Finanzblog, oder? Dann macht es umso mehr Sinn!

Das Investieren in Themen als Anlagestrategie hat sich in den letzten Jahren wachsender Beliebtheit erfreut. Vielleicht bist Du schon auf Investitionen in erneuerbare Ressourcen, E-Gaming und Halbleiter gestoßen, um nur einige der heißen Themen zu nennen. Während die Liste der interessanten und potenzialträchtigen Themen so lang ist wie Dein Arm, gibt es ein Thema, das oft übersehen wird - Cannabis.

Einst als Suchtmittel verschrien, wird die Cannabispflanze zunehmend für ihre bemerkenswerten therapeutischen Anwendungen gelobt. Und wenn man sich den Investitionsbereich anschaut, ist der medizinische Anwendungsfall bei weitem der größte Beitrag zu diesem Trend, gepaart mit hydroponischen Komponenten (d.h. alles, was mit dem Anbau der Pflanze zu tun hat). Es geht also nicht nur darum, sie zu rauchen.

Mit dem Abbau des Stigmas erfährt die Verwendung von Cannabis, sei es als Freizeitbeschäftigung oder als nützliches Produktionsmaterial, nicht nur in den USA und Kanada, sondern auch hier in Europa schnell gesellschaftliche Akzeptanz und eine unterstützende Gesetzgebung. Cannabinoide sind jetzt schon weithin verfügbar, um Symptome im Zusammenhang mit Multiple Sklerose (MS), Parkinson, bestimmten Krebsarten und seltenen Formen von Epilepsie bei Kindern zu behandeln.

Aber bevor wir es vergessen, ist es wichtig, den Unterschied zwischen den bekannten Cannabinoiden, THC und CBD, zu machen, wobei letzteres aus Hanf gewonnen wird. Kurz gesagt, THC ist das, was Dich high macht, während CBD hauptsächlich für die Ernährung und den therapeutischen Einsatz verwendet wird.

Nun zurück zur Investitionsseite der Dinge. Wie kam es zu dem Interesse an dieser Pflanze aus Sicht der Investoren?

Alles begann im Dezember 2012, als der US-Bundesstaat Washington beschloss, kleine Mengen von Marihuana-bezogenen Produkten für Erwachsene ab 21 Jahren zu legalisieren. Kurz darauf folgte Colorado, und obwohl Marihuana auf Bundesebene in den USA immer noch illegal war, signalisierten diese beiden Aktionen die Öffnung eines sehr attraktiven Marktes. Infolgedessen begannen große Produktionsfirmen zwischen Nordamerika und Kanada aufzutauchen, den klaren Spitzenreitern in diesem Sektor damals und auch heute noch.

Während der Sektor langsam an Zugkraft gewann, kam die große Veränderung, als Kalifornien, bereits einer der Vorreiter für die Verwendung von Cannabis zur medizinischen Behandlung, im Januar 2018 beschloss, den Freizeitkonsum der Pflanze zu legalisieren. Kurz darauf beschloss der weltweit größte Produzent, Canopy Growth, im Mai 2018 an die Börse zu gehen, um das Wort Cannabis weiter zu etablieren und Investoren für diesen neuen Sektor zu gewinnen.

Die Kirsche auf der Torte kam, als das US-Landwirtschaftsministerium die sogenannte 2018 Farm Bill verabschiedete, die Hanf und CBD legalisierte.

Dies war der Startschuss für die rasante Expansion der Cannabinoid-Industrie in ganz Nordamerika und weckte das Interesse der Investoren. In der Zwischenzeit ist Kanada in die Fußstapfen von Kalifornien getreten.

Das Rennen um das Geld des grünen Rausches war wahrlich eröffnet.

Während die Cannabis Industrie allein in den USA 250.000 Arbeitsplätze schuf, lief es bei einigen Unternehmen weniger gut, was zu massiven Entlassungen führte und die Erwartungen der Investoren nicht erfüllte. Hinzu kam, dass es immer noch eine erhebliche Grauzone darin gab, was erlaubt ist und was nicht. Infolgedessen begannen die Investoren vorsichtiger zu werden. Die Aktienkurse stürzten zurück auf das Niveau von 2018.


Wie geht es weiter?

Wie bei jedem neuen Trend wird die anfängliche Euphorie immer von starker Skepsis begleitet, nach der es wichtig ist, den Nutzen und die langfristigen Aussichten des Sektors zu bekräftigen. Und das gilt insbesondere für die Cannabis Branche. Die Investoren waren 2018 von zu hohen Renditeerwartungen geblendet, und als sie sahen, dass es anders kam, zogen sie das Geld aus den Cannabis-Aktien ab.

2020 war ein wildes Jahr für Pot-Aktien, mit COVID-19, dem Konjunkturpaket und Umweltproblemen, die die US-Wirtschaft trafen, ist es zunächst schwer zu sehen, wohin sich die Cannabis Branche entwickeln könnte.

Doch dank der fünf neu legalisierten Bundesstaaten werden die Gesamtumsatzaussichten durch legalisierte medizinische Programme und legale Programme für den Gebrauch durch Erwachsene mit einer jährlichen Wachstumsrate von 14 % voraussichtlich noch schneller wachsen und bis 2025 einen Umsatz von über 38 Mrd. $ erreichen.

Wo steht Europa hierbei?

In den letzten 18 Monaten wurden europaweit über 100 Mio. € an neuen Geldern in Unternehmen mit Schwerpunkt medizinischer Cannabis investiert, wobei 80 % der Deals in Deutschland ansässige Unternehmen betrafen.

Dies stellt zwar einen starken Anstieg im Vergleich zum Zeitraum vor 2019 dar, ist aber immer noch meilenweit von der Aktivität in Nordamerika entfernt, wo im Jahr 2019 mehr als 3 Mrd. $ durch mehr als 450 Deals in den medizinischen Cannabismarkt investiert wurden.

Aufgrund der zunehmenden Beweise für den therapeutischen Wert von Cannabis ist die öffentliche Stimmung in Europa dem Beispiel der USA gefolgt und unterstützt eine gewisse Legalisierung von Cannabis. In Großbritannien hat die Unterstützung für eine Legalisierung einen Höchststand von 77 % erreicht, während sie in Kontinentaleuropa ebenfalls zunimmt. In Deutschland hält etwa die Hälfte der Bevölkerung medizinisches Cannabis für eine gute Alternative zu herkömmlichen Medikamenten und würde wahrscheinlich medizinisches Cannabis als Behandlung einnehmen.

Seit Deutschland im März 2017 seine Vorschriften zur therapeutischen Verwendung von Cannabisprodukten gelockert hat, ist die Zahl der Patienten, die sich behandeln lassen, von etwa 1.000 auf mehr als 60.000 im Jahr 2019 gestiegen. Dies entspricht immer noch weniger als 0,1 % der Bevölkerung. Zum Vergleich: In den USA und in Kanada wird der Anteil der medizinischen Cannabis-Patienten auf 1,5 bis 2 % der Bevölkerung geschätzt, was einem Potenzial von zwei Millionen Patienten in Deutschland entsprechen würde.

Während die Nachfrage wächst, liegt das Problem vor allem in der Versorgung, sowohl bei den Fertigprodukten als auch bei den Rohstoffen, also den Blüten.

Um medizinisches Cannabis und verwandte Produkte zu erhalten, braucht man in Deutschland immer noch ein Rezept. Doch im Moment fühlen sich nur sehr wenige Ärzte mit dieser neuen Art der medizinischen Behandlung wohl. Und auf der Produktionsseite sind deutsche Unternehmen immer noch zu 100% auf den Import von Cannabisblüten angewiesen. Diese kommen immer noch hauptsächlich aus den USA und Kanada, aber in letzter Zeit sind auch Großbritannien, die Niederlande und am Rande auch Portugal in diesen Markt eingestiegen.

Wie kann ich in Cannabis-ETFs in Deutschland investieren?

Rize Medical Cannabis And Life Sciences ETF Accumulating

ISIN: IE00BJXRZ273

TER: 0,65%

Volumen: $8,7 Mio.

Anzahl der Bestände: 22

Der Fonds strebt ein gezieltes Engagement in der schnell expandierenden legalen medizinischen Cannabis Branche an, die weiter wachsen wird, da immer mehr Länder Cannabis für medizinische Zwecke legalisieren. Er besteht hauptsächlich aus börsennotierten Unternehmen, die legale Geschäftsaktivitäten in der medizinischen Cannabis-, Hanf- und CBD-Branche betreiben. Das bedeutet, dass es sich von den Züchterfirmen fernhält, wie bereits im Artikel erwähnt.

Seine größte Position ist GrowGeneration mit 31,46% Gewicht. Das Unternehmen verkauft hydroponische Ausrüstung (d.h. alles, was mit dem Anbau zu tun hat), Böden, Nährstoffe und Beleuchtungsvorrichtungen in Staaten, in denen Gras legal ist. Die Aktie hat sich in diesem Jahr verachtfacht und ist damit mit Abstand einer der besten Performer im Sektor für 2020. Dies ist wenig überraschend, da GrowGeneration bereits profitabel ist, während die meisten anderen Pot-Aktien noch rote Zahlen schreiben. Die andere große Position wird von einem indirekten Konkurrenten gehalten, Scotts Miracle-Gro, mit ein paar wichtigen Unterschieden. Scotts produziert und liefert Produkte zur Rasenpflege und hat mit seiner Tochtergesellschaft Hawthorne Gardening in den Bereich der Hydrokulturen für Marihuana-Anbauer expandiert. Scotts ist jedoch kein Einzelhändler.

Aber nun zurück zum ETF: Er wurde erst im Februar dieses Jahres aufgelegt und ist bisher um 21,6% gestiegen. Im Vergleich dazu hat der S&P 500 14% YTD.


Unsere Meinung:

Der Cannabis-Sektor bleibt trotz seiner Überhitzung im Jahr 2019 ein sehr attraktiver Sektor mit starkem Wachstumspotenzial. Allerdings nur, wenn die Regulierung weiter zugunsten der Pflanze voranschreitet. In letzter Zeit hat auch die Psychedelika-Branche einiges an Aufmerksamkeit erlangt und es bleibt abzuwarten, ob sie den Hype um Gras ablösen könnte oder ob beide Hand in Hand gehen können, um neue medizinische Behandlungen zu ermöglichen.

Was die Produkte angeht, so wirst Du, wie bei den meisten thematischen Investments, in sehr nischenhafte Märkte investieren. Sei Dir also besser der geringen Diversifikationsmöglichkeiten bewusst. Im Fall von Cannabis-Investitionen ist der Großteil des Geldes in die großen Züchterfirmen geflossen, so dass die ETFs nur ein sehr geringes Fondsvolumen aufweisen. Auch dies ist für einen Nischensektor nicht ungewöhnlich, aber nicht jeder investiert gerne in kleine Fonds (d.h. wenn es ein Problem gibt, wie z.B. dass der Fonds nicht gut performt, dann können die Emittenten entscheiden, den ETF zu schließen).

Alles in allem muss der Cannabismarkt weiter reifen und die Branchenkennzahlen müssen sich verfestigen, um einen wirklich attraktiven Investment Case zu bilden. Es liegt also an den Anlegern, zu entscheiden, wann dies der Fall sein wird und wann sie in den Sektor einsteigen sollten oder nicht.