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ETF-INVESTMENT

Wie überstand der ETF-Markt den Crash?

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„Die Ereignisse im März lassen erkennen, dass man mit ETFs auch unter schwierigsten Bedingungen handeln kann“


Das QUIN-team hat sich mit Chris Hofmann von Vanguard unterhalten. Am Tagesmenü standen ETFs und Finanzmärkte in der Pandemie.

Grundprinzipen eines ETFs:

  • Wie unterscheiden sich herkömmliche Fonds von ETFs?

Genau wie mit herkömmlichen Fonds können Anleger mit börsengehandelten Indexfonds (Exchange Traded Fund, ETF) in ein Portfolio von Wertpapieren wie Aktien oder Anleihen investieren. Wie bei anderen Fonds auch beteiligen sich Anleger mit jedem ETF-Anteil an den Basiswerten. Sowohl Fonds als auch ETFs werden zudem von professionellen Portfoliomanagern verwaltet, sodass Anleger nicht jedes einzelne Wertpapier in ihrem Portfolio im Auge behalten müssen.
Sie unterscheiden sich jedoch in der Abwicklung, denn ETFs können an den handelsüblichen Zeiten an den jeweiligen Börsen stetig gehandelt werden. Die meisten ETFs verfolgen die Performance von Indizes. Sie streben also die möglichst genaue Nachbildung eines bestimmten Index an, weshalb auch die Wertentwicklung des ETF der des Index entsprechen sollte. Steigt oder fällt der Index um 2%, sollte daher auch der ETF, der diesen Index abbildet, um 2% zulegen oder 2% an Wert verlieren (jeweils vor Abzug von Gebühren und Kosten).

Genau wie einzelne Wertpapiere werden ETFs ganztägig zu Marktpreisen an der Börse gehandelt. Anteile an herkömmlichen Fonds können Anleger dagegen nur bei den jeweiligen Fondsgesellschaften kaufen oder zurückgeben, und zwar zu dem Nettoinventarwert (NAV), der am Ende jedes Handelstages festgestellt wird. Zwar werden ETFs wie einzelne Wertpapiere gehandelt. Wie bei herkömmlichen Fonds ist der Zahl der Anteile jedoch nicht begrenzt, je nach Nachfrage können daher täglich neue Anteile geschaffen und bestehende Anteile zurückgenommen werden. Einzelne Wertpapiere sind dagegen in ihrer Zahl begrenzt, und geschlossene Fonds geben nur eine bestimmte Anzahl an Anteilen aus.

  • Worauf muss man achten, wenn man einen ETF kauft?

1. Der abgebildete Index

Ein ETF bildet nur passiv einen Index nach, statt aktiv eigene Strategien zu verfolgen. Umso entscheidender ist, dass Anleger beim Kauf eines Produktes darauf achten, den richtigen Index für Ihr Anlageziel auszuwählen. So enthalten manche Indizes nur wenige Aktien oder werden nach schwer nachvollziehbaren Kriterien berechnet. Das ist oft bei so genannten Strategie-Indizes der Fall. Diese versuchen zum Beispiel, Aktien mit besonders hoher Dividendenausschüttung oder besonders wachstumsstarke Unternehmen in einem Index zu vereinen. Privatanleger sollten sich grundsätzlich auf etablierte Indizes großer Anbieter konzentrieren, die möglichst große Teile des Marktes abdecken und systematisch aufgebaut sind.

2. Die Kosten und der Tracking Error

Es ist wichtig, die Produkte mehrerer Anbieter zu vergleichen. Es gibt zum Beispiel Anbieter, die sich im Fondsprospekt ausdrücklich die Möglichkeit vorbehalten, Vertriebsprovisionen an Banken und andere Fondsvermittler zu zahlen. Solche Provisionen können zu höheren Kosten führen, die letztlich die Anleger tragen müssen. Die Kosten haben auch Einfluss auf den so genannten Tracking Error. Hinter dem Begriff verbirgt sich ein Maß dafür, wie stark die Wertentwicklung eines ETFs in der Realität von der Entwicklung des Index abweicht, den er nachbildet.
Je geringer dieser Tracking Error ist, desto besser.

3. Die Art der Ertragsverwendung

Grundsätzlich gibt es dabei zwei Möglichkeiten: ausschütten oder thesaurieren. Ausschüttende ETFs geben Dividenden und Zinsen in regelmäßigen Abständen direkt an die Anleger weiter. Thesaurierende ETFs dagegen investieren die ihnen zugeflossenen Mittel erneut in Aktien oder Anleihen.
Beide Ertragsverwendungsverfahren sorgen seit der Investmentsteuerreform 2018 in Deutschland für eine gleiche Steuerlast über den Haltezeitraum. Bei ausschüttenden ETFs werden Ausschüttungen direkt besteuert, wobei bei der thesaurierenden Variante eine jährliche Vorabpauschale bei positiver Wertentwicklung innerhalb des letzten Jahres anfällt. Bei Verkauf werden beide Varianten gleich gestellt und die Vorabpauschale verrechnet. Deutsche Anleger werden für ETFs, die einen bestimmten Aktienanteil haben, durch eine Teilfreistellung entschädigt.

4. Das Fondsvolumen

Ein Fonds sollte nicht zu klein sein. Denn: Je geringer das in einem ETF verwaltete Vermögen ist, desto größer die Gefahr, dass die Fondsgesellschaft den Fonds irgendwann schließt. Größere Anbieter haben in dieser Hinsicht einen Vorteil, weil auch ihre Fonds oft mehr Mittel verwalten.

5. Der Aufbau des Fonds

ETFs bilden Indizes vor allem auf zwei Arten nach: Entweder halten sie tatsächlich alle Aktien eines Index direkt - und zwar im gleichen Verhältnis, wie sie auch im Index vertreten sind. Dieses Verfahren heißt volle Replikation (Nachbildung). Das zweite wichtige Verfahren ist die synthetische Replikation, bei der ein sogenanntes Tauschgeschäft zwischen zwei Parteien eingeganden wird um die Peformance des Index im ETF Mantel abzubilden. Dabei hält ein ETF einen Korb von Wertpapiere direkt und schließt gleichzeitig einen Vertrag mit einer Bank ab. Die verpflichtet sich, die Unterschiede zwischen der Entwicklung des Index und des vom Fonds gehaltenen Wertpapierkorbes auszugleichen.

  • Welche Vorteile haben ETFs?

ETFs sind im Aufbau vergleichbar mit Investmentfonds. ETFs können folglich jederzeit ge- und verkauft werden; das Geld ist nicht für einen vorher definierten Zeitraum gebunden. Damit behalten Anleger die höchstmögliche Flexibilität. Zur einfachen Handelbarkeit kommt die einfache Kostenstruktur, die auch von Laien spielend durchschaut werden kann. Für viele Anleger das größte Plus: ETFs sind unschlagbar günstig. Ein weiterer großer Vorteil von ETFs ist die Risikostreuung: Einzelaktien können jederzeit stark an Wert verlieren, was herbe Verluste für die Anleger bedeutet. Ist ein Unternehmen insolvent, sind die Aktien gar nichts mehr wert. Bei ETFs ist das anders, da man nicht in eine Firma oder ein Produkt investiert, sondern in ein Portfolio aus verschiedenen Unternehmen und Branchen.

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Aktuelle Lage:

  • Der Corona Ausbruch beendete einer der längsten Bullenmärkte in der Geschichte. Wie seht Ihr die aktuelle Lage?

Die vergangenen Wochen waren alles andere als Routine. Weltweite Lockdowns, beispiellose Konjunkturpakete und ein sprunghafter Anstieg der Volatilität wurden zur neuen Normalität in einer Phase größter Ungewissheit – nicht zuletzt am europäischen ETF-Markt. Worüber wir sehr positiv gestimmt sind ist die Tatsache, dass wir haben bei unseren US-basierten Privatinvestoren zwischen dem 19. Februar und dem 20 März klar gesehen haben, dass Disziplin und „den Kurs halten“ trotz der Krise maßgeblich eingehalten wurde.
So haben 9 von 10 Vanguard US-Privatinvestoren obschon der adversen Märkte keinen Handel betrieben, und ein Großteil des Handels der stattgefunden hat war auf Rebalancing zurückzuführen. Diesen Trend haben wir auch in Europa beobachten können, und diese Disziplin freut uns.

  • Wie haben ETFs eigentlich während dem Corona Ausbruch abgeschnitten?

Das ETF-Handelsvolumen ist im vergangenen Monat explodiert und hat am 20. März seinen Höhepunkt erreicht. An Spitzentagen überstieg das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen aller in Europa gehandelten Vanguard UCITS ETFs das Normalniveau um das Zweieinhalbfache. Insgesamt zogen Anleger im März rund 24 Milliarden Dollar aus europäischen ETFs ab, wovon Aktien- und Anleihefonds in etwa gleichstark betroffen waren. Seitdem haben die Mittelabflüsse jedoch abgenommen. Bei Vanguard haben sich Käufe und Verkäufe in etwa die Waage gehalten. Wichtig herauszustellen ist ebenfalls, dass sich vor allem dank der höheren Handelsvolumen ETFs zu den Spitzenzeiten des volatilen Marktumfelds im März als effiziente „Stoßdämpfer“ für die Rentenmärkte erwiesen haben.
Denn ETFs entstanden nach dem Börsencrash des Jahres 1987 und waren als zweite Liquiditätsquelle für die Basiswerte gedacht.

Genau diese Funktion haben sie im letzten Monat erfüllt. Da das Handelsvolumen am Sekundärmarkt in die Höhe schoß, fanden Käufer und Verkäufer von ETF-Anteilen stets eine Gegenpartei für ihre Transaktion. Vollkommen „normal“ war der Handel vielleicht nicht, aber zweifellos geordneter als in einigen anderen Märkten. Die Ereignisse im März lassen erkennen, dass man mit ETFs auch unter schwierigsten Bedingungen handeln kann, wie auch die Nachfrage zeigte.

  • Und wie sieht es aus mit der sogenannten ETF-Blase? Wird diese Thematik wieder relevant, wenn die Märkte wieder steigen?

Ich sehe keine Gefahr einer Blase. Im Gegenteil ich sehe, dass Anleger den ETF nunmer vermehrt korrekt einsetzen! So zum Beispiel durch das langfristige Sparen mit ETFs, also mit Sparplänen. Das  sollte auch durch die Corona-Krise nicht verändert werden, im Gegenteil, die Anzahl der Sparpläne sollte noch zunehmen. So flossen zum Beispiel per Ende Januar rund €232 Millionen in Sparpläne. Trotz der volatilen Monate Februar und März wurden dann per Ende März sogar rund €262 Milionen in Sparpläne investiert. Dazu kommt ebenfalls der positive  Aufwärtstrend bei der Anzahl von Sparplänen – so hatten wir per März 2019 rund 950.000 Sparpläne in Deutschland, per Ende März diesen Jahres sind es fast 1,5 Millionen.

Anstatt über Blasen nachzudenken scheint es gerade jetzt wichtiger denn je, unsere Grundprinzipien zur erfolgreichen Vermögensanlage zu beachten - klare und realistische Ziele setzen, das Anlagevermögen auf breit diversifizierte Fonds verteilen, Kosten minimieren, um das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Das bringt Beständigkeit, Verlässlichkeit, eine optimale Kosteneffizienz und klare Rendite-Risiko-Vorteile. Sprich die Corona Krise sollte im langfristigen Denken eines Anlegers nur einen recht kurzer Zeitraum einnehmen, und der Anleger sollte seinen Kurs beibehalten.

  • Sind ETFs die Lösung um Deutsche mehr für den Kapitalmarkt zu begeistern?

Der ETF ist ein Weg für Kunden sich dem Kapitalmarkt zu nähern, weil sowohl auf der Aktien, als auch auf der Anleihen-Seite. Er bietet ja klare Vorteile wie zum Beispiel die folgenden:

  • Der ETF ist kostengünstig
  • Der ETF ist breit diversifiziert
  • Der ETF bietet schnellen und breiten Marktzugang
  • Der ETF ist stets ein Sondervermögen

Sicherlich gibt es auch ETF Investoren, die durch Nischen- und Themenprodukte versuchen, einen schnellen Gewinn zu machen. Das wäre aber für uns eher der untypische Sparer. Wir ticken bei Vanguard anders. Unsere Kunden suchen kein Themen- oder Nischenprodukt, auch nicht nach etwas für den schnellen Reibach. Im Gegenteil, unsere Kunden wollen in der langfristigen Vermögensbildung unterstützt werden, mit breit diversifizierten, transparenten und kostengünstigen Kernbaustein-Produkten. Deshalb bieten wir eine schlanke übersichtliche und vor allem adäquate Produktpalette an.

Vanguard Group, ETF investment, ETF sales
Chris Hofmann - Senior Sales Executive, Germany & Austria - Vanguard Group (Ireland) Limited
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