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ETF-INVESTMENT

Edelmetalle - Gold, Silber & Co.

Bei Edelmetallen denken die meisten Menschen wohl zunächst an Gold. Das gelbe Metall gilt für den Großteil der Anleger als “sicherer Hafen” und ist besonders in Krisenzeiten sehr gefragt. Es gibt jedoch auch noch weitere Edelmetalle neben Gold, in die man investieren kann. Ein kurzer Überblick über Edelmetalle und die unterschiedlichen Wege, wie man in sie investiert:

Edelmetalle vs. andere Metalle

Kurzer Throwback zum Chemieunterricht: Von Rosten spricht man nur, wenn Eisen mit Sauerstoff reagiert, bei anderen Metallen heißt dieser Vorgang “Korrosion”. Dies entsteht durch eine Redoxreaktion, bei der ein Metall Elektronen an den Sauerstoff in der Luft abgibt. Der Sauerstoff nimmt dabei Elektronen auf und wird somit reduziert. Eine Korrosion findet nur dann statt, wenn Sauerstoff eine größere Bereitschaft hat eine Redoxreaktion einzugehen, als das jeweilige Metall. Diese Bereitschaft wird “Redoxpotential” genannt. Bei Edelmetallen, wie zum Beispiel Gold, ist das Redoxpotential höher als bei Sauerstoff, sodass diese Metalle bei normalen Temperaturen (fast) nicht mit der Luft reagieren.

Zusätzlich zu ihrer Korrosionsbeständigkeit sind Edelmetalle auch Schwermetalle mit hoher Dichte und dementsprechend hohem Gewicht.

Genug Chemie-Unterricht… Neben Gold und Silber zählen auch die Platinmetalle zu den Edelmetallen. Das sind konkret Platin, Ruthenium, Rhodium, Palladium, Osmium und Iridium.

Allgemein sind Edelmetalle sehr knapp, da sie nur selten auf unserem Planeten vorkommen. Vor allem Gold und Silber werden seit Jahrtausenden als Handelsgüter, Schmuck und zur Münzprägung verwendet. Mittlerweile wird vor allem Platin auch in der Industrie benutzt.

Edelmetallpreise

Wie bei fast allem werden auch die Edelmetallpreise durch Angebot und Nachfrage bestimmt.

Das Angebot wird durch neue Fördermengen und den Verkauf von Beständen bestimmt. Im Gegensatz zu zum Beispiel Fiat-Währungen, von dem immer mehr gedruckt werden kann, gibt es nur eine bestimmte Menge an Gold, Silber & Co. auf unserem Planeten. Dies bietet einen gewissen Schutz vor Inflation - solange jedenfalls Papa Elon noch keine Planeten aus purem Gold besiedelt ;-).

Die Nachfrage wird durch verschiedene Faktoren bestimmt. Bei steigendem Wohlstand leisten sich immer mehr Menschen vor allem Schmuckstücke aus Gold und Silber und auch in der Industrie werden Edelmetalle gebraucht. Wie mit fast allem wird auch mit den Metallen spekuliert, während andere versuchen ihr Vermögen mit Edelmetallen zu sichern.

Gold - Das Krisenmetall

Gold ist wohl das bekannteste und einer der begehrtesten Metall der Welt. Zwar wird es in der Zahnmedizin und in Elektronik verwendet, aber wir kennen es hauptsächlich als Schmuckgegenstand und als Währung.

Schon im 6. Jahrhundert vor Christus wurden die ersten Goldmünzen geprägt und auch der US-Dollar war bis in die 1970er Jahre an das Gold gekoppelt. Obwohl diese Verknüpfung mit Gold nicht mehr besteht, haben Zentralbanken immer noch riesige Goldreserven und spielen somit eine große Rolle, wenn es um den Goldpreis geht.

Aufgrund der langen Historie von Gold, wird es oft als sicherer Hafen angesehen, vor allem wenn die Banken und das politische System instabil sind. Demnach ist Gold eine gute Diversifikation im Depot und dämpft in Krisenzeiten die Volatilität.

Silber - das Industriemetall

Auch Silber wurde sehr lange als Zahlungsmittel genutzt und auch als Schmuckstück oder für die Herstellung von Tafelsilber ist das Metall sehr beliebt, da es aufgrund des höheren Silbervorkommen deutlich preiswerter ist. Im Gegensatz zu Gold wird Silber jedoch mittlerweile zum Großteil von der Industrie verwendet und ist somit wesentlich volatiler. Es wird wegen seiner antibakteriellen Eigenschaft, guten elektrischen Leitfähigkeit und Wärmeleitung in der Elektronik, der Batterietechnik, bei Photovoltaik und in der Medizinbranche benötigt. Die Nachfrage nach Silber ist demnach stark nach der Entwicklung der relevanten Industrien abhängig.

Platin

Platin ist noch deutlich seltener als Gold - jährlich wird über 10 mal mehr Gold aus der Erde gegraben als Platin. Die größte Nachfrage von Platin kommt aus der Automobilindustrie, die Platin für Abgaskatalysatoren in Dieselfahrzeugen verwenden, gefolgt von der Schmuckindustrie. Da der Platinpreis stark von der Produktion von Verbrenner-Autos beeinflusst wird, könnte der Kurs bei einem immer größeren Anteil von Elektroautos weiter unter Druck kommen.

Des Weiteren sind Platinminen fast ausschließlich in Russland und Südafrika und stellt damit ein Risiko für kartellähnliche Maßnahmen dar, die den Platinpreis beeinflussen könnten.

Palladium

Palladium ist im Gegensatz zu den anderen drei Metallen eher unbekannt und wird zum Großteil von unterschiedlichsten Industrie verwendet. Palladium ist ein glänzendes, silbernes Metall und wird zum Großteil in der Elektronik und in der Autoindustrie für Abgaskatalysatoren verwendet. In der Schmuckindustrie ist es nicht ganz so beliebt wie Platin, ist aber gelegentlich als Gold-Platin-Legierung, auch “Weißgold” genannt, aufzufinden.

Investitionsmöglichkeiten

Physisch

Die wohl klassischste Anlageform in Edelmetalle ist der Kauf in physischer Form in Barren oder Münzen. Bei einem Kauf von physischen Edelmetallen sind vor allem die Transportkosten und der Premium für die Münzprägung zu beachten. Zusätzlich stellt sich die Frage, wo die Barren und Münzen aufbewahrt werden sollen. Ein offensichtlicher Nachteil bei physischem Gold, Silber & Co. ist, dass man physisches Edelmetalle weder schnell kaufen noch verkaufen kann. Jedoch ist vor allem die physische Form von Gold sehr beliebt, da man in Krisenzeiten mit Münzen bezahlen könnte und sie gut transportieren kann.

ETCs (Exchange Traded Commodities)

ETCs ermöglichen einen einfachen und unkomplizierten Zugang zu Edelmetallen und weiteren Rohstoffen. Sie können ganz einfach über die Börse gehandelt werden und bilden bei Edelmetallen meist die Wertentwicklung des Kassapreis (Preis für Sofortlieferung) für einzelne oder mehrere Edelmetalle ab. Im Gegensatz zu einem ETF ist das in ein ETC investierte Kapital kein Sondervermögen, sondern nur eine Schuldverschreibung des Anbieters und unterliegt somit einem Emittentenrisiko. Bei der Wahl eines ETCs sollte dementsprechend darauf geachtet werden, dass die Rohstoffe physisch besichert sind. Bei beispielsweise einem physisch besicherten Gold-ETC werden physische Goldbarren bei einem Treuhänder hinterlegt. Wenn man sich noch gegen einen Wertverlust des Dollars gegenüber des Euros absichern will, sollte man einen ETC wählen der den Euro hedged.

Gold ETC:
Amundi Physical Gold ETC (ISIN: FR0013416716)

Gold ETC (EUR Hedged)
WisdomTree Physical Gold - EUR Daily Hedged (ISIN: DE000A1RX996)

Silber ETC:
iShares Physical Silver ETC (ISIN: IE00B4NCWG09)

Silber ETC (EUR Hedged)
Xtrackers Physical Silver EUR Hedged ETC (ISIN: DE000A1EK0J7)

Edelmetalle ETC:
WisdomTree Physical Precious Metals (ISIN: DE000A0N62H8)

Edelmetall-orientierte Aktien oder Fonds

Neben einem direkten Investment in Edelmetalle kann man auch indirekt in Firmen investieren, deren Geschäft an Edelmetalle gekoppelt ist. Dabei können Anleger zwischen Einzelaktien, aktiven und passiven Fonds (ETFs) wählen. ETFs folgen dem Prinzip des passiven Investierens und bilden mehrere Aktien ab, die sich mit Edelmetallen beschäftigen. Diese Firmen korrelieren zwar mit den Edelmetallpreisen, sind aber meist höherer Volatilität ausgesetzt.

UBS Solactive Global Pure Gold Miners UCITS ETF (ISIN: IE00B7KMNP07)

VanEck Vectors Gold Miners UCITS ETF (ISIN: IE00BQQP9F84)

CFDs und Derivate

Es gibt unzählige Instrumente die Edelmetalle als Basiswert haben. Contracts for Difference (CFDs) sind meist sehr spekulativ und reagieren schon bei kleinen Kursschwankungen sehr stark. Zusätzlich gibt es Derivate wie Optionsscheine und Zertifikate, die meist fürs Trading verwendet werden und für langfristige Investments eher ungeeignet sind.