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ETF-INVESTMENT

Bitcoin 101

Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum machen immer wieder Schlagzeilen und sind sowohl unter Experten als auch unter frisch gebackenen Investoren ein viel diskutiertes Thema. Spätestens als Elon Musk kürzlich durch ein Mega-Investment und die Schlagzeilen darüber, Bitcoin auf ein Rekordhoch trieb, dürfte sich wohl jeder Privatanleger oder angehender Investor einmal Gedanken darüber gemacht haben, ob ein Investment in Kryptowährungen eigentlich auch eine spannende Möglichkeit für ihn wäre.

Aber was steckt überhaupt dahinter? Auch wenn Aktien und ETFs selbst recht abstrakte Begriffe sind, weiß man doch das Anteile reeller Unternehmen dahinter stecken. Wie sieht das allerdings bei Bitcoin aus? Begriffe wie beispielsweise Blockchain, die Vielzahl verschiedener Kryptowährungen und die zwischen Begeisterung und scharfer Kritik pendelnden Schlagzeilen machen es Krypto-Neulingen nicht gerade leicht, sich einen Überblick zu verschaffen. Es wird Zeit, dass wir Licht ins Dunkle bringen! In unserem Bitcoin-101-Guide erfährst Du alles was Du wissen solltest, um endlich den Durchblick zu bekommen. (Übrigens: Krypto wird auch bald bei getquin verfügbar sein, also: Stay tuned!)

1. Was ist eigentlich eine Kryptowährung?

Zunächst sind Kryptowährungen vollständig digitale Währungen, das heißt es existiert kein physisches Format. Du kannst Dir also Deine Bitcoins nicht einfach an einem Geldautomaten ausgeben lassen und bekommst „Bitcoin-Münzen“. Sie existieren nur auf den Computern der Teilnehmer des Währungssystems.

Die ersten Konzepte für Kryptowährungen entstanden nach der Finanzkrise 2008. Durch die Krise kam es zu einem tiefen Vertrauensbruch zwischen Banken und Privatpersonen. Es kamen Bedenken unter anderem aufgrund des intransparenten Finanzsystems auf.

Diese Lücke konnten Kryptowährungen wie Bitcoin durch die Unabhängigkeit von dritten Parteien und anderen Währungen schließen. Denn was diese besonders macht, ist, dass sie nicht durch Banken reguliert werden. Normale Währungen, wie beispielsweise der Euro oder US Dollar, werden von Zentralbanken ausgegeben. Da diese über die Menge des Geldes, welches in Umlauf gebracht wird, entscheiden können, bestimmen sie folglich auch den Wert des Geldes.

Das ist bei Kryptowährungen anders. Diese werden ausschließlich von Privatpersonen generiert und auch verwaltet. Ähnlich wie bei herkömmlichen Währungen bemisst sich der Wert der Kryptowährung nach Angebot und Nachfrage. Das heißt alle Teilnehmer des Währungssystems sind sich einig darüber, wie viel die Währung wert ist, beziehungsweise welche Menge von Waren ein Bitcoin wert ist. Das ist ja beim Euro im Prinzip genauso. Nehmen wir beispielsweise einen 10 Euro Schein, die Produktion des Scheines kostet nicht 10 Euro. Aber wir bemessen diesem Stück Papier einen gewissen Wert bei, wodurch er zum Austausch mit Ware genutzt werden kann.

Zusammenfassend kann man Kryptowährungen beschreiben als eine digitale Geldeinheit in einem weltweit dezentralen Zahlungssystem. Du kannst diese Geldeinheit von Person zu Person übertragen, ohne dass ein Mittelsmann wie beispielsweise ein Bank dafür von Nöten ist. Die Geldeinheiten werden in sogenannten „Wallets“ gespeichert, welche Du Dir vorstellen kannst wie eine digitale Geldbörse auf Deinem Smartphone oder PC. Ein wesentlicher Unterschied zu beispielsweise einem Girokonto ist, dass dieses Wallet ausschließlich Dir gehört und keiner Bank. Folglich hast Du die volle Kontrolle und keine Einschränkungen in Form von Überweisungslimits oder anderen Sicherheitsvorkehrungen, allerdings kannst Du dementsprechend Dein Wallet im Zweifelsfall auch nicht sperren lassen – Du alleine bist für die Sicherheitsvorkehrungen zuständig.

Ein weiterer Vorteil von Kryptowährungen liegt darin, dass die Transaktionsgebühren besonders niedrig sind. Gerade wenn Du eine länderübergreifende Transaktion durchführen möchtest, kann dies normalerweise ziemlich teuer werden. Auch sonstige geografische Einschränkungen betreffen Dein Wallet nicht, solange Du über einen Internetzugang verfügst, kannst Du jederzeit und überall Transaktionen durchführen.

2. Was ist Blockchain?

Der Begriff „Blockchain“ fällt immer wieder im Zusammenhang mit Kryptowährungen, was aber hinter dieser Technologie steckt und warum sie für die digitalen Währungen genutzt wird, ist oft nicht ganz klar. Der Begriff an sich ist recht sperrig und wird oft mit anderen komplizierten Ausdrücken erklärt, weswegen es schwierig ist ihn leicht zu erfassen. Damit wir Dir aber die Generierung von Kryptowährungen wie dem Bitcoin erklären können, ist es wichtig zumindest eine grobe Idee davon zu haben, wie diese Technologie funktioniert.

Man kann sich eine Blockchain vorstellen wie eine dezentrale Kette von Informationen. Diese Transaktionsinformationen sind nicht nur auf einem Server gespeichert, sondern befinden sich gleichermaßen auf mehreren Computern. Der Begriff „Transaktionsinformationen“ schließt dabei allerdings nicht nur finanzielle Transaktionen ein, sondern meint Informationen unterschiedlichster Natur.

Man kann das System mit einem Gespräch oder einem Gruppenchat vergleichen: Sagst Du etwas in einem Gespräch oder schickst eine Nachricht in einen Gruppenchat, kannst Du die Information im Nachhinein nicht mehr einfach so ändern (wir ignorieren an dieser Stelle einfach mal die Löschfunktion bei WhatsApp 😉). Möchtest Du Deine Aussage klarstellen musst Du eine neue Nachricht senden, welche dann wieder auf dem Handy der Gruppenchat-Mitglieder gespeichert wird. Eine wesentliche Ausnahme zum Gruppenchat-Vergleich ist aber, dass die Informationen auch für neue Teilnehmer jederzeit nachvollziehbar sind, selbst wenn sie zum Zeitpunkt der Informationsteilung noch nicht Teil des Systems waren. So sind auch Informationen über die Transaktionen mit Bitcoins, wenn auch anonymisiert (die Besitzer der Wallets sind nicht öffentlich erkennbar), im Nachgang für jeden Netzwerkteilnehmer einsehbar.

3. Wie entsteht ein Bitcoin?

Kryptowährungen werden durch Privatpersonen generiert. Heißt das jetzt, dass ich mir einfach meine Bitcoins selbst erstellen kann? Theoretisch ja, das Ganze nennt sich im Fall von Bitcoin „Bitcoin-Mining“. Aber ich muss Dich enttäuschen, leider ist das nicht so leicht (sonst würde es ja jeder machen 😉). Denn umso mehr Bitcoins hergestellt werden, umso länger dauert auch die Produktion der Kryptowährung. Kryptowährungen wie Bitcoin selbst zu minen wir üblicherweise eine spezielle Hardware benötigt (sogenannte “Miner”) benötigt. Diese ist mittlerweile sehr kostspielig, da der Preis aufgrund der hohen Nachfrage stark gestiegen ist. Darüber hinaus ist das Betreiben von Minern mit einem enormen Stromverbrauch verbunden. Das ist auch der Grund dafür, weswegen der Bitcoin und andere Kryptowährungen häufig als “nicht nachhaltig” kritisiert werden.

Aber um das Konzept Kryptowährung gänzlich zu verstehen, fassen wir einmal kurz und vereinfacht zusammen was wirklich hinter so einer digitalen „Münze“ steckt:

Kryptowährungen entstehen aus der Lösung von höchst komplizierten mathematischen Aufgaben mithilfe von sehr schnellen miteinander vernetzten Computern. Innerhalb des Währungssystems gibt es aktive und passive Teilnehmer. Passive Teilnehmer kaufen Kryptowährungen und besitzen diese anschließend nur, während aktive Teilnehmer, häufig auch „Miner“ genannt, für die Generierung der digitalen Geldeinheit und die Validierung der Transaktionen verantwortlich sind. Die Entstehung von Einheiten der Kryptowährungen und die Validierung hängen unmittelbar zusammen.

Wir schauen uns als Beispiel die Entstehung eines Bitcoins an. Transaktionsinformationen (also eine Person überträgt einen Bitcoin an eine andere Person) sammeln sich in Blöcken an und bilden eine Blockchain. Um die Sicherheit dieser Transaktionen sicherzustellen, müssen nun die einzelnen Blöcke encodiert werden – hier kommen die komplizierten Rechenaufgaben ins Spiel, diese versuchen die Minor mit ihren Rechnern zu lösen. Wenn ein Block erfolgreich entschlüsselt werden konnte, ist die Transaktion validiert, die Information in den Blöcken gespeichert und der Bitcoin tatsächlich überwiesen. Derjenige Miner, der es schafft den Block zu entschlüsseln erhält im Gegenzug eine finanzielle Entlohnung in Form von „frischen“ Bitcoins. Die Anzahl der Bitcoins ist begrenzt auf 21 Millionen Einheiten, das kannst Du in dem Open-Source-Protokoll der Kryptowährung nachlesen. Durch diese begrenzte Anzahl an Bitcoins wird die Entlohnung für die Miner allerdings immer geringer und die Blöcke werden zunehmen schwerer zu entschlüsseln.

Bei Ethereum entstehen neue Ether übrigens über dasselbe Prinzip. Allerdings bestehen heute verschiedenste Arten von Kryptowährungen und nicht auf jede trifft dieses Schema zu.

4. Ist Kryptowährung das Richtige für Dich? Vor- und Nachteile

Ob Kryptowährungen eine passende Investmentmöglichkeit für Dich sind, lässt sich nicht pauschal sagen, allein schon deshalb, weil sich die einzelnen Währungen stark voneinander unterscheiden können.

Wir bleiben erst einmal bei Bitcoin und schauen uns die Vor- und Nachteile dieser Kryptowährung genauer an:

Vorteile:

Die Menge der Bitcoins, die erstellt werden kann ist begrenzt auf 21 Millionen. Daraus resultiert der wohl größte Vorteil der digitalen Währung, denn im Gegensatz zu Giralgeld kann es hierbei nicht zu einer Inflation kommen.

Wie wir bereits festgestellt haben, besitzen Bitcoins den Vorteil von geringen Transaktionsgebühren. Hier kannst Du vor allem bei länderübergreifenden Transaktionen Kosten einsparen, da eine herkömmliche Überweisung über Deine Bank von Land zu Land vor allem bei zwei verschiedenen Währungen recht kostspielig sein kann.

Du bist geografisch ungebunden. Solange Du über eine funktionierende Internetverbindung verfügst, kannst Du Deine Transaktionen von jedem Ort aus durchführen.

Einen weiteren Vorteil bringen die Transparenz des Zahlungssystems einhergehend mit dem trotzdem gegebenen Schutz der Privatsphäre: Die Wallets sind zwar bekannt, allerdings nicht zu wem ein Wallet gehört – Du bist also vollkommen anonym.

Durch die wegfallende dritte Partei in Form von einer Bank, besteht außerdem kein Transaktionslimit und sonstige Einschränkungen, die normalerweise gegeben wären, betreffen Deine Transaktionen in Bitcoins nicht.

Nachteile:

Du bist Herr über Dein Wallet. Das bedeutet allerdings auch, dass Du für die Verwahrung Deiner Bitcoins und Sicherheit Deines Wallets selbst verantwortlich bist. Durch die fehlende dritte Partei hast Du nicht die Möglichkeit Dein Wallet sperren zu lassen und musst eigenhändig dafür sorgen, dass Deine Bitcoins entsprechend geschützt sind. Solltest Du Dich dafür entscheiden Bitcoins zu kaufen, wollen wir Dir außerdem einen Rat mitgeben: Pass gut auf Deinen Bitcoin-Schlüssel auf! Laut Schätzungen können auf 115 Milliarden Euro in Bitcoin aktuell nicht zugegriffen werden, da die Besitzer sich nicht mehr an die Passwörter für ihre Wallets erinnern können.

Einer der größten Nachteile liegt in der hohen Volatilität begründet. Bei einer Geldanlage in Bitcoins musst Dir bewusst sein, dass mit hohen Preisschwankungen zu rechnen ist, da eine hohe Anzahl an Spekulanten in die digitale Währung investieren.

Kryptowährungen wie Bitcoin haben außerdem eine dunkle Vorgeschichte, die unmittelbar aus einigen der vorangegangenen Vorteile resultiert. Kennst Du die Serie „Queen of the South“? (Achtung: Spoiler Alert!) In der Serie erbaut sich die Protagonistin Teresa Mendoza ihr eigenes Drogen-Kartell. Um sich und ihre Mitarbeiter zu schützen, setzt sie bei den Bezahlungen für ihre Lieferungen auf Kryptowährungen.

Dies ist nicht bloße Fiktion: Gerade in den Anfängen des Währungssystems wurden mithilfe von Bitcoins illegale Transaktionen im Dark Web durchgeführt und so konnten Menschen- und Drogenhandel und andere kriminelle Aktivitäten anonym über das Internet durchgeführt werden. Durch Kryptowährungen werden Cyberkriminalität, Steuerhinterziehung und Geldwäsche enorm erleichtert.

In normalen Shops hingegen werden Bitcoins kaum akzeptiert, als alltägliches Zahlungsmittel eignen sich Bitcoins daher aktuell noch nicht. Fun Fact: In Venezuela kannst du bei Burger King zwar nicht mit Bitcoin, aber dafür mit kleineren Kryptowährungen wie beispielsweise Dash bezahlen 😊.

5. Fazit

Kryptowährungen wie der Bitcoin können durchaus interessante Ergänzungen für Dein Portfolio darstellen. Du solltest Dir aber über die hohen Preisschwankungen, der Möglichkeit von technischen Komplikationen und möglicherweise Hackerangriffen im Klaren sein und Dich vor einem Investment näher mit der Technologie beschäftigen, um beispielsweise zu wissen wie Du Dein Wallet bestmöglich schützen kannst und Dir ein eigenes Bild bezüglich der Risiken machen zu können. Die Meinungen im Hinblick auf das Potenzial von Kryptowährungen sind gespalten und wie auch bei anderen Geldanlagemöglichkeiten sollte man sich zunächst immer selbst informieren und sich in keinem Fall ausschließlich auf die Ratschläge selbst ernannter Finanzgurus verlassen.

Hinzu kommt, dass die Zukunft von Kryptowährungen noch in den Sternen steht und die Zahlungssysteme sich noch nicht auf eine allzu lange Historie stützen können. Es handelt sich hierbei um eine vergleichsweise risikoreiche Spekulation, daher solltest Du, wenn Du auf diese Technologie setzen möchtest, dies mit Geld tun, welches Du nicht benötigst und solltest ein Investment in Kryptowährungen eher als Ergänzung zu Deinem bestehenden Portfolio sehen.