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ETF-INVESTMENT

Alle wichtigen Informationen zum AirBnB IPO

“Wir werden dieses Jahr nicht an die Börse gehen. Wir arbeiten an der Vorbereitung und werden die Entscheidung nach unserem eigenen Zeitplan treffen.” Dies verkündete AirBnB CEO Brian Chesky im Jahr 2018. Zwei Jahre später scheint die Vorbereitung wohl abgeschlossen und der IPO steht kurz bevor.

Vor Ausbruch der Pandemie in Amerika lag die Bewertung bei 38 Milliarden Dollar. Einige Experten hatten sogar angedeutet, dass diese jüngste interne Bewertung eine bewusste Unterschätzung sein könnte, um die Anleger mit den Renditen zufrieden zu stellen, die sie in den nächsten Jahren erzielen werden. Die Aktien von Airbnb wurden bei der kürzlichen Übernahme von HotelTonight und durch andere private Angebote, über die berichtet wurde, auf etwa 120 Dollar festgesetzt!

Seither haben sich die Rahmenbedingungen jedoch stark verändert. Die Reisebeschränkungen treffen das Unternehmen, wie die gesamte Branche, massiv und führten zu einem Verlust von fast 700 Millionen Dollar allein in diesem Jahr bis September. Im April sicherten Private-Equity Unternehmen wie Silver Lake und Sixth Street dem angeschlagenen Unternehmen rund zwei Milliarden Dollar zu, um die Krise zu überstehen. Dennoch musste ein Viertel der Mitarbeiter entlassen werden, das Marketingbudget wurde um 54% gekürzt und die Unternehmensbewertung wurde auf 18 Milliarden Dollar reduziert.

Seit dem Sommer konnte sich AirBnB aber wieder etwas erholen. Die Anzahl der Buchungen stieg wieder. Zum einen wurde der Trend zu mehr Reisen im eigenen Land erkannt und die Geschäftsaktivitäten entsprechend angepasst, zum anderen stellte Chesky fest, dass die Pandemie die Möglichkeit zeigt, überall leben zu können, da “die Grenzen zwischen Reisen und Leben verschwimmen”. Es wurde nicht nur zunehmend von Unternehmen Home-Office genehmigt, sondern auch Remote Working erlaubt. Die Anzahl von längeren Aufenthalten nahm in der Folge zu und der Fokus von der Untervermietung von Privatwohnungen in Großstädten auf Ferienwohnungen verschoben. Während vor der Pandemie Vermietungen im gleichen Land etwa die Hälfte des Geschäfts ausmachten, sind es zur Zeit fast 80%. Dieser Trend wird wohl kurzfristig fortgeführt, langfristig lassen sich aber laut Chesky keine eindeutigen Prognosen aufstellen. Der Erholungsprozess wird wohl trotz der Lichtblicke für gesamte Reisebranche kompliziert und langwierig.

Brian Chesky gründete das Unternehmen 2008 mit seinen zwei ehemaligen Mitbewohnern Joe Gebbia und Nathan Blecharczyk. Nachdem zunächst keine Investoren zur Finanzierung gefunden werden konnten, erzielten sie 2009 eine Start-Investition in Höhe von 600.000 Dollar, wodurch sich das Wachstum stark beschleunigte. Die dritte VC-Runde im Jahr 2011 ergab bereits 112 Millionen Dollar von Investoren wie Crunchfund und General Catalyst. Nachdem in den folgenden Jahren weitere Milliarden eingeworben werden konnten, konnte AirBnB bis heute wohl insgesamt 5,4 Milliarden Dollar an Risikokapital einbringen, über 16 Finanzierungsrunden.

Trotz der Auswirkungen von Corona, entwickelt sich das Unternehmen als Leitfigur in der Sharing Economy, insbesondere nach dem Abbruch von Uber und Lyft Anfang diese Jahres. Dazu sollen eine Reihe ehrgeiziger Übernahmen und Erweiterungen, den langfristigen Wachstum von AirBnB sichern.

Aber das lange Warten hat ein Ende!


Der Börsengang von AirBnB fand gestern statt, der Handel beginnt heute - Donnerstag, den 10. Dezember. Das Unternehmen reiht sich damit in die exklusive Gästeliste der Tech-Unternehmen ein, die es geschafft haben, in diesem besonderen Jahr einen Börsengang zu absolvieren. Auf der Liste stehen Asana, Snowflake, Palantir, Unity Software und auch DoorDash, das am Mittwoch mit einer Bewertung von $60,2 Mrd. in den Handel startete. Ursprünglich schätzten Research-Analysten (deren Aufgabe es ist, Preisschätzungen abzugeben, die den Preisfindungsprozess eines Börsengangs leiten), dass die Börsennotierung von AirBnB rund $3 Mrd. einbringen würde, wodurch das Unternehmen mit $30 Mrd. bewertet würde.Zum Zeitpunkt des Schreibens verkaufte das Unternehmen bei seinem Börsengang Aktien für $68, was deutlich über dem ursprünglich erwarteten Bereich von $56-$60 liegt.

Aber wie sieht es mit der Bewertung aus?


Airbnb hat am Mittwoch 50 Millionen Aktien verkauft und damit einen Erlös von 3,4 Mrd. $ erzielt, was einer Bewertung von 47 Mrd. $ auf voll verwässerter Basis entspricht. Das ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, wie stark das Unternehmen vom COVID-19-Ausbruch betroffen ist, und ist immer noch ein Aufschlag von 52 % auf die Bewertung von 31 Mrd. $, die es während seiner Serie F im März 2017 erhalten hatte. Außerdem hatte Airbnb ein direktes Listing in Erwägung gezogen, bei dem bestehende Aktionäre die Möglichkeit haben, ihre Aktien anzubieten und keine neuen Aktien ausgegeben werden müssen. Diese Form wäre für AirBnB kostengünstiger (da sie keinen Underwriter benötigen, d. h. eine Investmentbank, die dafür bezahlt wird, auf eigenes Risiko Investoren zu finden) und die bestehenden Anteile der Aktionäre werden nicht verwässert. In diesem Fall wird kein Geld aufgenommen und die bestehenden Investoren können ihre Anteile verkaufen und erhalten dafür Geld. Stattdessen hat sich das Unternehmen für einen traditionellen Börsengang entschieden, bei dem es neue Aktien (ca. 7%) verkaufen wird, um Kapital zu beschaffen.

Warum geht man an die Börse?


Der Gang an die Börse ist in der Regel dazu gedacht, Unternehmen dabei zu helfen, Geld zu beschaffen, um Investitionen und Übernahmen zu tätigen und den Betrieb weiter auszubauen. Oft wird er aber auch genutzt, um geliehenes Geld zurückzuzahlen - insbesondere bei Airbnb, das in diesem Jahr mehr als 2 Mrd. Dollar leihen musste, um die Krise zu meistern - und um Geld an Gründer, Mitarbeiter und frühe Investoren zurückzugeben. Die drei Mitgründer verkaufen im Rahmen des Angebots etwa 1,9 Mio. Aktien. Das Trio soll nach dem Börsengang noch über rund 43% der Stimmrechte von Airbnb verfügen. Zu den frühen Investoren gehörten Peter Thiels Founder's Fund und Sequoia Capital.Sollten Sie jetzt in die Aktie investieren? Die Finanzkennzahlen sind solide, die Bewertung ist höher als die von wenigen anderen Tech-Unternehmen, und dennoch stellen sich im Zusammenhang mit dem Börsengang drei wichtige Fragen. Die erste ist, ob das Geschäftsmodell noch in der Lage ist, den Mietwohnungsmarkt zu dominieren. Bislang wurden keine ernsthaften Angriffe auf die Dominanz von Airbnb unternommen, aber es bleibt abzuwarten, ob VRBO und ähnliche Unternehmen ernsthafte Konkurrenten sein können. Zweitens bleibt abzuwarten, ob die Expansion in Bezug auf die Buchungserfahrungen erfolgreich sein wird. Schließlich stellt sich die Frage nach den rechtlichen und regulatorischen Standards. Seit seiner Gründung hat das Unternehmen mit rechtlichen Hürden zu kämpfen, und durch die zunehmende Professionalisierung des Geschäftsmodells steigen diese Hürden weiter an. Mancherorts wurde die Kurzzeitvermietung bereits verboten. Sollten wichtige Märkte folgen, wird Airbnb einen erheblichen Rückschlag erleiden. Diese Unsicherheiten müssen geklärt werden und werden für den zukünftigen Erfolg von Airbnb entscheidend sein. Die Investoren schauen wahrscheinlich weniger darauf, ob der Börsengang selbst ein Erfolg wird, sondern eher darauf, ob sich der Aktienkurs schnell stabilisieren und dann in eine positive Richtung bewegen kann.


Wo kann ich Airbnb-Aktien kaufen?

Das Underwriting-Team von Airbnb, das von Morgan Stanley und Goldman geleitet wird, wird eine erste Zuteilung von Aktien an eine Mischung aus institutionellen Anlegern, wie z. B. Hedgefonds und Investmentfonds, und einigen Einzelanlegern zu einem festgelegten Preis am Tag vor der Aufnahme des Aktienhandels an der NASDAQ vornehmen. Sobald die Aktien des Unternehmens gehandelt werden, können individuelle und institutionelle Investoren die Aktien über eine Maklerfirma kaufen - wenn Ihr Makler in den USA sitzt, ist das einfach.

Aber wie ist mit den deutschen Brokern? Im Moment wissen wir nicht, wann die Airbnb-Aktie in Deutschland erhältlich sein wird. Warum eigentlich? Makler - wie Trade Republic und Comdirect - müssen sich an einen US-Broker wenden, um die Aktie über sogenannte Depositary Receipts zu kaufen - Hinterlegungsscheine auf Deutsch.
Kurz gesagt: Depositary Receipts ermöglichen es Anlegern, in Unternehmen im Ausland zu investieren und gleichzeitig an einer lokalen Börse im Heimatland des Anlegers zu handeln. Das ist für Investoren von Vorteil, da die Aktien das Heimatland, in dem sie gehandelt werden, nicht verlassen dürfen.

Du kannst die Aktie schon handeln, aber nur über Optionen. Also besser die Finger davon lassen!

Also heir heisst es, Keep Calm und abwarten, bis die Airbnb-Aktie verfügbar ist.